Plädoyers fürs Abschalten in Niedersachsen

Fukushima Anlass für Atom-Debatte

  • Hagen Jung
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Katastrophe in Japan mit ihren möglichen Auswirkungen in puncto Atomkraft hat nun auch die landespolitische Ebene erreicht. Im niedersächsischen Landtag forderte die Opposition gestern den Ausstieg aus der Kernenergie und das Abschalten aller Atommeiler, die schwarz-gelbe Landesregierung war des Lobes voll für Kanzlerin Merkels AKW-Moratorium.

Begonnen hatte die Sitzung mit einer Regierungserklärung von Ministerpräsident David McAllister (CDU): Die Gefahr einer Kernschmelze müsse in allen deutschen Atomkraftwerken ausgeschlossen werden, betonte er. Sei das nicht möglich, heiße es: abschalten!

SPD-Fraktionschef Stefan Schostok reagierte skeptisch: »Sie persönlich haben die Atomenergie stets verteidigt!« Zur Verdeutlichung zitierte er Äußerungen McAllisters, etwa aus den »Cuxhavener Nachrichten«. Dort hatte dieser erklärt: »Die deutschen Atomkraftwerke sind sicher und stehen rund um die Uhr unter Aufsicht.« Zu Merkels atompolitischem Kurs habe McAllister dem »Focus« gesagt: »Hauptsache, das Geld fließt.«

»Jetzt ist es erstaunlicherweise möglich, sieben Meiler vom Netz zu nehmen, ohne dass das Licht ausgeht«, sagte LINKEN-Fraktionschefin Kreszentia Flauger. Grund sei die oft unterschlagene Tatsache, dass Deutschland auch zu Spitzenlastzeiten eine Überproduktion von Strom habe. »Diese Reserven müssen wir nutzen, um kurzfristig aus der Kernenergie auszusteigen«, so Flauger. Kurt Herzog, LINKEN-Umweltexperte, mahnte, auch in Deutschland gebe es Erdbeben. Überflutungsgefahr bestehe ebenfalls, etwa für das AKW Unterweser: »Tsunami-ähnliche Situationen sind auch in der deutschen Bucht denkbar.«

Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel nannte die Atomkraft »den größten anzunehmenden energiepolitischen Widersinn«. Sie sei unter Einrechnung gesamtgesellschaftlicher Kosten die teuerste und unsicherste Energie. »Wahlkampfabschaltungen von Atomkraftwerken reichen nicht aus«, kommentierte Wenzel das Merkel-Moratorium. Die Laufzeitverlängerung müsse unverzüglich aufgehoben werden. Nur so sei zu verhindern, dass die Meiler nach den Wahlen wieder ans Netz gehen.

Auch Schwarz-Gelb räumte ein, dass die Fukushima-Katastrophe eine Zäsur in der Atompolitik mit sich bringe. Doch im Fokus scheint immer noch das Geld zu stehen. So forderte Karl-Heinrich Langspecht (CDU) zum Thema Ausstieg, man möge auch an Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum denken.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.