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Generalsgestammel
Brigadegeneral Mark van Uhm, verantwortlich für alle NATO-Operationen, lud gestern in Brüssel zur Pressekonferenz. Er wollte erklären, wie die NATO im UN-Auftrag Libyens Zivilbevölkerung schützt. Was der General bot, waren 48 Minuten Hilflosigkeit. Unter NATO-Kommando seien, so glaube er, bislang 334 Angriffe geflogen worden. 40 in den letzten 24 Stunden. Worauf? In den NATO-Stäben weiß man das nicht so genau. Nicht nur, weil an der Anti-Gaddafi-Koalition beteiligte Staaten offenbar ihren Privatkrieg führen. Überhaupt sei alles so fließend, so dynamisch. Das Waffenembargo lasse sich ohnehin nicht kontrollieren, Gaddafis Truppen wechselten immer wieder die Taktik, verzichteten gar auf Panzer und führen – wie die NATO-unterstützten Rebellen – mit Pick-ups zum Morden. Manchmal sei einfach das Wetter so schlecht – weshalb drei von vier NATO-Jets ihre Munition wieder mit nach Hause bringen.
Unabhängig von Wetter, Dynamik und General van Uhms Gestammel – es sollten endlich überhaupt keine Bomber mehr aufsteigen! Die der USA bleiben bereits seit der Nacht zum Dienstag bis auf Widerruf am Boden. So böte sich Gelegenheit für Deutschland, das eine unmittelbare Teilhabe am Gemetzel ablehnt, mit anderen Kritikern des stümperhaften NATO-Kriegseinsatzes für die Rückkehr politischer Vernunft zu werben.
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