Luftverpestung

Jörg Meyer über einen grüneren 1. Mai

  • Lesedauer: 2 Min.

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Die Stadt schimmert in frischem Grün – am 1. Mai in Kreuzberg noch mehr in Grün-Weiß. Auf dem Weg in die Redaktion stehen in Seitenstraßen gut zehn Streifenwagen – alle mit laufendem Motor. Darauf angesprochen sagte ein Polizist »...wegen der Funkgeräte«. Denn die verbrauchen Strom, und wenn der Motor aus ist, läuft die Batterie flugs leer.

So weit verständlich. Aber rechnen wir einmal hoch, was am 1. Mai funkbedingt alles den Motor laufen lässt. Einige Hundert Fahrzeuge werden es sein: Streifenwagen, »Wannen« mit teils über 20 Jahre alten Dieselmotoren, Wasserwerfer, Räumpanzer und nicht zu vergessen die PS-starken Polizeiboote. Wenn nur die Hälfte den Tag über mit laufendem Motor an der Straße steht, dürfte das einiges an Kosten (Benzin, Diesel) und den Schadstoffausstoß (CO2, Feinstaub) mit sich bringen.

Umweltsenatorin Katrin Lompscher (LINKE) wurde jüngst von der Deutschen Umwelthilfe gelobt: Sie fährt mit Hybridantrieb, ihr Dienstwagen stößt 92 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verpustet dagegen satte 235 Gramm. Verglichen mit dem, was bei einem polizeilichen Großeinsatz wie dem 1. Mai durch die Luft fliegt, dürften das nur Peanuts sein. Bleibt also zu fragen, ob es nicht dem Haushalt und der hauptstädtischen Luft besser bekäme, würde man der Polizei leistungsstärkere Batterien spendieren – oder wie wäre es gar mit Solarzellen auf den Autos? Dann bekäme die Polizei am 1. Mai vielleicht auch weniger aufs Dach.

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