Lech Walesa blieb Obama-Treffen fern

Arbeitsbesuch des US-Präsidenten in Polen

  • Julian Bartosz, Wroclaw
  • Lesedauer: 2 Min.
Zum Abschluss seiner Europareise hat US-Präsident Barack Obama beim Besuch in Warschau Polens Entwicklung von Demokratie und Marktwirtschaft gelobt. Die Symbolfigur des politischen Wandels in Polen, Solidarnosc-Gründer Lech Walesa, blieb dem Treffen fern.

Vom facettenreichen 20-stündigen erstmaligen Besuch des US-Präsidenten Barack Obama seit seinem Amtsantritt am vergangenen Wochenende in der polnischen Hauptstadt ist einiges festzuhalten. Da war vor allem die Fahrt von mehr als 50 die Präsidentenlimousine bewachenden eingeflogenen Fahrzeugen über die menschenleeren Alleen vom Chopin-Flughafen bis zum Palast auf dem Prachtboulevard Krakowskie Przedmiescie. Mit zwei Haltestellen: am Grab des Unbekannten Soldaten auf dem Pilsudskiplatz und vor dem Denkmal der Helden des Aufstandes im jüdischen Ghetto im Stadtviertel Muranow. Den Kranzniederlegungen folgten freundliche Palaver mit Kombattanten des Zweiten Weltkrieges, polnischen Irak- und Afghanistankämpfern sowie mit Vertretern der jüdischen Diaspora.

Beim Arbeitsessen im Präsidentenpalast nahmen 20 Präsidenten der für die USA so wichtigen osteuropäischen Region teil. Polens Präsident Bronislaw Komorowski ehrte den amerikanischen Gast mit der Erzählung, sie speisten im selben Saal, in dem 1955 der Warschauer Pakt entstanden sei; die sechs Jahre zuvor gegründete NATO, der Polen seit 1999 angehört, ließ er unerwähnt. Barack Obama ehrte seinerseits die polnische kirchlich beeinflusste Gewerkschaft Solidarnosc und ihre Bedeutung als Inspiration zum weltweiten Kampf um die Demokratie, den zu führen auch heute Pflicht sei. Von Polen habe man gelernt, wie um Demokratie zu ringen sei. Diese Bemerkung ließ die geladene polnische Prominenz geradezu strahlen. Nicht zugegen war indes Solidarnosc-Gründer Lech Walesa. Er hatte die Teilnahme am Treffen mit Obama kurzfristig abgesagt, weil er Termine bei einer Handelskette habe. »Demokratie« war das meist gebrauchte Wort an diesen zwei Tagen. Der Begriff »Freiheit« wurde nicht so stark strapaziert.

Am Samstag traf sich der US-Präsident mit Polens Ministerpräsident Donald Tusk, um über »wichtige Fragen der polnisch-amerikanischen strategischen Freundschaft« zu sprechen.

Zum Abschluss des Arbeitsbesuchs zeigte sich der hohe Gast sehr gerührt vor einer Tafel in der Garnisonskirche, wo er Vertretern der »Smolensker Familie«, einer Gruppe von Polen, die durch den Absturz der Präsidentenmaschine am 10. April 2010 nahe der russischen Stadt Smolensk Angehörige verloren haben, sein Beileid aussprach. Schließlich hob die Air Force One zum Heimflug ab. Soll erfüllt. Warschau stolz. Die Einwohner voller Genugtuung und Freude. Man kann wieder ungestört spazieren gehen und Auto fahren.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.