Neue Tapete?
Kommentar von Jürgen Amendt
Wirkliche, nachhaltige Veränderungen können in einer Demokratie nur die durchsetzen, die zu den eisernen Bewahrern des Bisherigen gehören. Das zeigte sich beim Atomausstieg, den erst eine CDU-Kanzlerin und AKW-Befürworterin wirklich gegenüber der Industrie und der Atomlobby durchboxte. Und so wird es wirkliche, nachhaltige Veränderungen im Bildungssystem erst dann geben, wenn sie von der Union kommen.
Doch Veränderungen brauchen Zeit. Die Hauptschule, jene Resterampe für die im Schulsystem Aussortierten, hat sich längst überlebt, ihre Abschaffung ist daher nur konsequent. Das wissen selbst Unionspolitiker, doch trauten sie sich bislang nicht, diese Position offensiv zu vertreten. Zu groß war und ist der Widerstand konservativer Parteikreise gegen eine solche Schulreform. Jetzt will zumindest die CDU alte Zöpfe abschneiden und sich vom dreigliedrigen Schulsystem absetzen. Willkommen in der Wirklichkeit, möchte man der CDU zurufen.
Doch auch hier gilt: Ideologien sind mächtig, und so hat die CSU aus Bayern dargelegt, dass sie von solcherlei Modernisierung nichts hält. Wie sagte ein bekannter deutscher Politiker einmal: Nur weil der Nachbar seine Wohnung neu tapeziert habe, sei man nicht verpflichtet, die eigene Wohnung auch neu zu tapezieren.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.