Kaiserzeit, adieu
Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland werden einem sozialen Ranking unterworfen. Die Wertigkeit der Lehrerarbeit orientiert sich wie in der Kaiserzeit an der Schuhgröße der Schülerinnen und Schüler. Dieses Kastendenken passt nicht in eine moderne demokratische Schule. Es steht in krassem Widerspruch zur Aufwertung der Grundschule seit PISA 2000, zum schulstrukturellen Wandel hin zur Zweigliedrigkeit – dem sich selbst die CDU nicht mehr verschließt –, zu mehr Ganztagsschulen, zu integrierten Schulangeboten. Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen sind gleichermaßen Experten für Unterricht und Erziehung.
Für die Fortführung der Besoldungshierarchie im Lehrerberuf enthält das Grundgesetz keine zwingenden Gründe. Wer weiterhin ungleich behandeln will, muss dies begründen können. Weder die Lehrerausbildung noch der schulische Bildungs- und Erziehungsauftrag, die bisher als Argumente dienten, rechtfertigen noch die praktizierte Ungleichheit. Das Gutachten »Gleiche Lehrerbesoldung als Verfassungsauftrag« des Rechtsexperten Christoph Gusy im Auftrag des VBE zeigt: In der Lehrerausbildung überwiegen für alle Lehrämter die gemeinsamen Schnittmengen. Der schulische Auftrag hat sich zum umfassenden Bildungs- und Erziehungsauftrag gewandelt. Lehrerarbeit in den unterschiedlichen Schulstufen ist nicht gleichartig, aber gleichwertig. 71 Prozent der Bundesbürger lehnen laut forsa-Umfrage vom November 2009 im Auftrag des VBE die unterschiedliche Bezahlung der Lehrer nach Schulformen ab.
Die Länder können nun beweisen, wer am besten die Gleichstellung der Lehrerinnen und Lehrer in die Tat umsetzt. Sie haben seit der Föderalismusreform 2006 den Hut für das Dienst-, Besoldungs- und Tarifrecht auf. Es ist höchste Zeit, mehr Gerechtigkeit zu wa(a)gen.
Der Autor ist Bundesvorsitzender des VBE (Verband Bildung und Erziehung).
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