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FAKTENcheck: Benachteiligte Linkspartei?

  • Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 2 Min.

Medien sollten, so ihr Selbstverständnis, objektiv berichten und gerade in Zeiten von Wahlen poplitische Parteien nicht benachteiligen oder bevorzugen. Dies gilt vor allem für die öffentlich-rechtlichen Sender. Doch werden ARD und ZDF, aber auch die privaten Kanäle diesem Anspruch auch gerecht? So klagte die Linkspartei in den letzten Wochen immer wieder über eine Benachteiligung in diesen Sendern.

Die Daten, die das Kölner Institut für Empirische Medienforschung (www.ifem.de) dazu veröffentlicht, untermauern diese Kritik. Das Institut untersucht, welche Themen wie oft in den Hauptnachrichten von ARD, ZDF, RTL und SAT.1 vorkommen und zählt zudem aus, welche Parteien wie oft mit welchen Politikern in den Nachrichtensendungen präsent sind. Im Jahr 2010 wurde in den entsprechenden Nachrichtensendungen am meisten über die Eurokrise (1243 Minuten) berichtet, danach folgte das Thema Afghanistan (1125 Minuten). Beides Themen, zu denen sowohl Regierungs- als auch Oppositionnspolitiker etwas zu sagen haben. Dennoch dominierten 2010 Vertreter der Unionsparteien die Bildschirme. Sie traten 6180 Mal auf, gefolgt von denen der FDP mit 2294 Auftritten. 1361 Statements von CSU-Politikern vervollständigen diese Regierungsübermacht. Die SPD bringt es dagegen nur auf 2147 Auftritte, die Grünen auf 990. Abgeschlagen rangiert die Linkspartei auf dem letzten Platz: nur 665 Mal waren den TV-Stationen die Meinungen von Links-Politikern Sendeminuten wert.

Der frühere sächsische Landtagsabgeordnete der Linkspartei, Heiko Hilker, führt diese Schieflage darauf zurück, dass von den Sendern vor allem die Regierung und deren Vertreter als Akteure wahrgenommen würden. »Wenn man öfter darüber berichten würde, was Politiker konkret getan, statt nur angekündigt haben, würde sich das Verhältnis jedoch verschieben«, ist sich Hilker sicher.

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