Der Klimawandel ist angekommen

Deutscher Bauernverband spricht von »sehr magerem« Erntejahr

  • Haidy Damm
  • Lesedauer: 3 Min.
Einbußen bei der Getreideernte, stabile Zahlen beim Obst und Gemüse. Das Erntejahr 2011 geht mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen zu Ende, bilanzierte am Donnerstag der Deutsche Bauernverband (DBV) in Berlin. Besonders die Wetterkapriolen machen den Landwirten zu schaffen.

»Der Begriff Klimawandel ist für uns Bauern offensichtlich keine Floskel mehr«, fasste Klaus Kliem, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses Getreide und Präsident des Bauernverbandes Thüringen, die Ernte dieses Jahres zusammen. Während die Getreidebauern »um jedes Korn gekämpft haben«, waren die Anbaubedingungen beim Gemüse »recht gut«, erklärte Kliem.

Besonders zu schaffen machten den Landwirten die Wetterkapriolen. Im Frühjahr war es zu warm und trocken und im Sommer hat der Regen einen Teil der Ernte zunichte gemacht. Mit einer Getreideernte von rund 39 Millionen Tonnen liegt die diesjährige Ernte mit einem Minus von rund 12 Prozent deutlich unter dem Vorjahresergebnis. Die Rapsernte fiel mit 3,7 Millionen Tonnen sogar um 34 Prozent zurück. Dagegen profitierte der Mais von der feucht-warmen Witterung. Einzelne Regionen waren besonders betroffen, so fiel im gesamten Nordosten an einzelnen Tagen so viel Regen wie sonst im ganzen Monat.

Doch nicht nur die Erntemenge macht den Bauern Sorgen, auch die Qualität leidet. Vielfach habe das Brotgetreide nur noch Futterqualität, so Kliem. Das habe zwangsläufig Auswirkungen auf den Umsatz.

Dennoch, die aktuellen höheren Erzeugerpreise sorgen insgesamt für Entspannung bei den Ackerbauern. Mit derzeit 190 Euro pro Tonne Brotweizen bewegen sie sich auf dem Niveau des Vorjahres. Die Rapspreise liegen mit 423 Euro pro Tonne sogar knapp 70 Euro oberhalb des Preises von 2010. »Aber«, schränkt Kliem ein, »Einkommen erzielen können nur die Landwirte, die auch etwas zu verkaufen haben.« Das gilt besonders für die Gemüsebauern, die durch die EHEC-Krise starke Umsatzeinbußen hatten.

Um auf die veränderten Wetterbedingungen zu reagieren, forderte der Bauernverband »einen züchterischen Durchbruch, damit das Getreide besser mit Trockenstress und Nässe zu recht kommt«. Für ihre Bilanz sei zudem eine Risikoausgleichsrücklage notwendig, so Kliem. Damit sollen Landwirte in guten Jahren Rücklagen bilden können, die sie erst versteuern, wenn sie diese wieder auflösen.


Ernte in Zahlen

  • Bei der Weizenernte werden rund 21 Millionen Tonnen erwartet (minus 12 Prozent).
  • Bei Wintergerste betrug die Erntemenge 6,4 Millionen Tonnen (minus 26 Prozent).
  • Die Anbaufläche von Sommergerste wurde um knapp 22 Prozent auf 421 500 Hektar ausgedehnt. Der Ertrag war heterogen: Niedersachsen plus 20 Prozent, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt minus 20 Prozent.
  • Beim Roggen liegen die Ertragseinbußen in den östlichen Bundesländern bei bis zu 30 Prozent. Insgesamt wurden 2,4 Millionen Tonnen Roggen (minus 16 Prozent) geerntet.
  • Die geerntete Menge Mais stieg um 9,2 Prozent auf rund 4,5 Millionen Tonnen.
  • Die Anbaufläche von Winterraps ist gegenüber dem Vorjahr um knapp 10 Prozent auf 1,3 Millionen Hektar zurückgegangen. Insgesamt wurden 3,7 Millionen Tonnen Winterraps geerntet (minus 34 Prozent).
  • Die Obsternte fällt insgesamt gut aus. Apfel: 896 000 Tonnen (Vorjahr 835 000); Erdbeeren: 160 000 Tonnen (Vorjahr 157 000); Spargel: knapp unter 100 000 Tonnen (Vorjahr etwa gleich). HD
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