Fernsehen für die Nase
Gezielte Duftstofffreisetzung
Weinheim (ND). Dank 3D-Projektion und Dolby-Surround-Ton ist der räumliche Eindruck für die Zuschauer im Kino inzwischen ziemlich realistisch. Das Fernsehen ist gerade auf dem Wege, diese Techniken einzuführen – wenn auch vorerst nur mittels Blu-ray-Disk aus der Konserve. Doch zum perfekten Realismus fehlt noch manches – etwa der Salzgeruch der Meeresbrise in einer Strandszene oder der Pulverdampf bei einem Gefecht zwischen Piraten- und Handelsschiffen.
Ein solches Geruchserlebnis wird uns vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft auch das heimische TV-Gerät bieten können. Ein Team um Jongmin Kim, Samsung Electronics, Korea, und Sungho Jin, University of California, San Diego, USA, stellen in der Zeitschrift »Angewandte Chemie« (doi: 10.1002/ ange.201102759) einen neuen Ansatz für ein kompaktes Gerät vor, das auf die Rückseite eines Fernsehers passet und Tausende verschiedener Gerüche erzeugen könnte.
Bisherige Technologien zur kontrollierten Freisetzung von Geruchsstoffen waren recht simpel und viel zu plump für die empfindliche Elektronik unserer Fernseher und Videogeräte. Der Ansatz von Kim und Jin geht von einer Anordnung einzelner Zellen aus, die mit Duftstofflösungen gefüllt werden. Die bis auf ein winziges Loch verschlossenen Minibehälter aus einem vernetzten Silikon-Polymer können mit einer Injektionsnadel mit jeweils einem Geruchsstoff befüllt werden. Im Aus-Zustand hält das winzige Loch dicht. Wird der Behälter erwärmt, dehnt sich das Silikon aus, der Druck im Inneren steigt an und presst eine kleine Menge gasförmiger Geruchsstoffe durch das winzige Loch hinaus.
Ein Gitternetz aus beheizbaren Drähten, eine so genannte X-Y-Matrix, soll dazu verwendet werden, um ganz gezielt nur einzelne Behälter anzusprechen. Die Wissenschaftler fertigten einen Prototypen, den sie mit zwei verschiedenen Parfüms erfolgreich testeten. Testpersonen konnten die beiden Düfte wahrnehmen und unterscheiden. Ob es mit Duftmischungen genauso gut läuft, ist noch offen. Unklar ist aber auch, ob man beim Filmsehen neben Auge und Ohr auch die Nase überwältigen lassen will.
Kim und Jin sehen jedoch neben der Unterhaltungsindustrie auch andere Anwendungen: »Es könnte auch für kombinatorische Studien von Gasphasenreaktionen und die Entwicklung dampfbasierter Pharmaka genutzt werden.«
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