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Der Diamanten-Wald

Zum 60. Jubiläum der Queen will Britannien sechs Millionen Bäume setzen

  • Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Insel ist seit Langem eines der waldärmsten Länder in Europa. Das hat zwar den Vorteil, dass schöne Einzelexemplare - etwa in Londons Hyde Park, den Kensington oder Kew Gardens - eine umso bessere Figur machen. Doch die Nachteile sind unübersehbar. Wenig Wald bedeutet oft weniger CO2-Speicherung, schlechtere Luft und weniger Lustbarkeit.

Ein königlicher Termin erschien da dem National Woodland Trust gerade gut genug, um die Insel etwas aufzuforsten. Die Stiftung kündigte an, zu Ehren des kommenden 60. Jahrestags der Thronbesteigung von Queen Elizabeth II. am 6. Februar 2012 insgesamt sechs Millionen Bäume zu pflanzen. So sollen quer durchs Königreich Hunderte neuer Wälder und Wäldchen, sogenannte Jubilee Woods, begründet werden. Die prominenteste Anpflanzung für die Feierlichkeiten zum Diamantenen Jubiläum ist auf einer Fläche von 460 Acres (knapp zwei Quadratkilometer und damit größer als Kew Gardens oder Regent's Park in London) zur öffentlichen Erbauung in Leicestershire in Mittelengland vorgesehen.

Aber wie oft bei solchen Vorhaben braucht es Geld. Das sollen private Sponsoren und die Öffentlichkeit beisteuern - hier mittels einer Spendenkampagne, die mindestens 3,3 Millionen Pfund (rund 4,3 Millionen Euro) erbringen muss, um Grund und Boden für die diamantenen Anpflanzungen zu bereiten. »Wir brauchen Unterstützung, um der Nation neue Waldgebiete zur Verfügung zu stellen, brauchen Hilfe, um jedermann Zugang zu dieser Schönheit der Natur zu ermöglichen, und Unterstützung, um dem Jubiläum der Königin ein bleibendes Denkmal zu setzen.« Mit diesen gesalbten Worten begleitete die Geschäftsführerin von Woodland Trust, Sue Holden, ihre Werbung. Sie fügte hinzu: »Wir haben die wunderbare Chance, die Herrschaft von einer unserer beliebtesten und längst gedienten Monarchen zu begehen, indem wir den Menschen die Notwendigkeit bewusst machen, die Waldfläche im Königreich zu vergrößern.«

Das, was wie die englische Version der Kommunismus-Huldigung von »Sie ehrten ihn, indem sie sich nutzten« in der frühen Sowjetunion klingt, verband Holden mit der Mahnung: »Wir sind eines der am wenigsten bewaldeten Länder in Europa. Deshalb ist es dringend nötig, die Waldfläche zu verdoppeln. Für die Verwirklichung dieses Traumes brauchen wir Spenden und anderweitige Hilfe.«

Weniger als 13 Prozent der Landfläche des Königreichs sind bewaldet. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Bewaldungsgrad rund 30 Prozent, bei Europas Spitzenreitern Finnland und Schweden 72 bzw. 56 Prozent. Die meisten britischen Wälder befinden sich in Schottland (über 17 Prozent der Landfläche), während es im dicht besiedelten England nur gut neun Prozent und in Nordirland lediglich sechs Prozent sind. Mehr als 85 Prozent seines industriellen und handwerklichen Holzbedarfs muss Britannien importieren.

Die Initiative von Woodland Trust, die die Popularität der 85-jährigen Herrscherin einzuspannen sucht, ist nur einer von mehreren, zum Teil lange laufenden Versuchen, wieder mehr Wald auf der Insel heimisch zu machen. Auch die konservativ-liberale Regierung von Premier Cameron hat einen Bewaldungsplan ausgerufen. Es ist der erste derartige Vorstoß von staatlicher Seite seit vier Jahrzehnten und zielt insbesondere darauf, mehr Baumgrün in städtische Siedlungen zu bringen. Damit soll ein Trend umgekehrt werden: In jüngeren Jahren waren immer weniger neue Bäume in Städten und Vorstädten gesetzt worden.

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