Exdiktator wieder vor Gericht
Argentinien: Videla weiteren Verbrechens beschuldigt
Buenos Aires (dpa/AFP/nd). Der bereits mehrfach zu lebenslanger Haft verurteilte Videla soll mitverantwortlich für den Tod des damaligen Bischofs von La Rioja, Enrique Angelelli, sein. Der Geistliche war am 4. August 1976 bei einem vermeintlichen Autounfall auf einsamer Landstraße umgekommen, als er eine Dokumentation über die Ermordung zweier Priester mit sich führte.
Neben Videla wurden auch der ehemalige Innenminister Albano Harguindeguy, der damalige Kommandeur des 3. Armeekorps, General Luciano Benjamín Menéndez, und zwei lokale Chefs der Sicherheitskräfte angeklagt. Bundesrichter Daniel Herrera Piedrabuena sieht es als erwiesen an, dass der Autounfall von Sicherheitsbeamten provoziert wurde, die den Wagen Angelellis in La Rioja in Nordwestargentinien von der Straße drängten. Bei dem Unfall wurde ein Begleiter des Bischofs schwer verletzt.
Angelelli hatte Informationen über den Tod zweier Priester in La Rioja gesammelt, die vermutlich von Sicherheitskräften ermordet worden waren. Er wollte über seine internationalen Kontakte in der katholischen Kirche die Untaten der argentinischen Militärdiktatur (1976 - 1983) anprangern.
Derweil ist der wegen Verbrechen in der Zeit der argentinischen Militärdiktatur zu lebenslanger Haft verurteilte General Antonio Bussi am Donnerstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Bussi war 2008 wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, dem Verschwindenlassen politischer Gegner, Freiheitsentzug, Folter und weiterer Verbrechen von einem Zivilgericht in Tucumán zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, die er aber im Hausarrest verbrachte.
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