Nur ein Meter

Klaus Joachim Herrmann über ineffiziente Kabeldiebe

  • Lesedauer: 2 Min.

Mit geringstem Aufwand höchsten Ertrag oder Nutzen zu erzielen, ist ein nützliches und auch ehrenwertes Streben. Effizienz wird nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch im Privaten gern abgerechnet. Im Diebesleben ist es wohl etwas anders. Selbst ein nur ach so kurzer Meter kann ja so unendlich teuer kommen.

Die Signalstörung bei der S-Bahn wird Dienstag um vier Uhr entdeckt, Behebung bis 15 Uhr in Aussicht gestellt. Behinderungen gibt es auf drei S-Bahn-Linien. Aus Sicherheit wird Gefahr. Züge fahren nicht, wie sie sollen. Menschen kommen nicht an, wie sie wollen. Der Schaden ist nicht zu beziffern, muss aber mit Zigtausenden Betroffenen multipliziert werden. Vor Ort friemeln derzeit sechs Techniker Dutzende Kontakte je Kabelabschnittstelle in stundenlanger Arbeit zusammen. Das macht pro Kraft und Stunde ... Oh je.

Der Erlös lässt sich - hier sicher etwas willkürlich - vom Kupferkabel mit Isolierung für rund 50 Cent pro Kilo bis zu Starkstromkabeln für 40 Euro den Meter sowie weit drüber und drunter berechnen oder schätzen. Das kann aber mit dem Schaden nicht annähernd mithalten. So ist im Diebesfalle der Effekt mit einem Höchstmaß an Aufwand erzielt worden. Denn es zählt ja wohl nicht das Durchhacken eines Kabels allein, sondern der damit verursachte Schaden. Für den muss der Täter haftbar sein, nicht nur für einen Meter Kabel. Sonst erwiese sich ja auch hier Ineffizienz als größtes Übel.

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