Bischöfe lassen gegen Pläne der Linksregierung beten

Hollandes Reformabsichten werden von Frankreichs Katholischer Kirche verurteilt

  • Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.
Frankreichs Katholiken beten heute an Mariä Himmelfahrt für eine Ablehnung der Reformpläne der Linksregierung. Das gemeinsame Gebet soll sich unter anderem gegen die geplante Legalisierung homosexueller Ehen richten.

Den heutigen Feiertag Mariä Himmelfahrt nimmt die Katholische Kirche in Frankreich zum Anlass, um ihre Ablehnung der Pläne der neuen Linksregierung zum Ausdruck zu bringen und zu demonstrieren, dass sie nach wie vor eine Größe ist, mit der man rechnen muss. Ein solches Kräftemessen mit den regierenden Politikern hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Der Pariser Kardinal André Vingt-Trois, der zurzeit auch Vorsitzender der französischen Bischofskonferenz ist, hat in dem Text für das heutige Gebet mit allen Katholiken des Landes die scharfe Ablehnung der geplanten Legalisierung der Ehe für Homosexuelle formuliert.

Doch die Verteidigung der traditionellen Ehe ist nur die Spitze des Eisbergs von konservativen Vorurteilen der Kirche gegen die Absicht der regierenden Linken, herangereifte Probleme in der Gesellschaft zu diskutieren und durch Reformen oder Gesetze zu lösen. Dazu gehört außer der Homo-Ehe und der Möglichkeit für homosexuelle Paare, Kinder zu adoptieren, auch die rechtliche Regelung von Sterbehilfe. Zudem die Stammzellenforschung, die von einigen Sozialisten geforderte Verankerung der Trennung von Kirche und Staat in der Verfassung sowie die krisenbedingten Streichungen bei der staatlichen Finanzhilfe für katholische Privatschulen.

Kardinal Barbarin, Erzbischof von Lyon, hat am Dienstag in einem Interview für die Zeitung »Le Figaro« eingeräumt, dass das Gebet eine »politische Dimension« habe. »Die Lage ist ernst«, erklärte er. »Es kommt einem Bruch der Zivilisation gleich, die Grundlage der Ehe und Familie anzutasten.« Die Zulassung von Sterbehilfe würde bedeuten, »dass manches Leben weniger wert ist als anderes«. Leiden gehöre zum Leben, in das der Mensch nicht eingreifen dürfe, ist der Kardinal überzeugt.

Die starken Töne der Katholischen Kirche stehen im Gegensatz zu ihrer schwindenden Rolle in der Gesellschaft, denn obwohl sich nach wie vor zwei Drittel der Franzosen formal zu ihr bekennen, besuchen nur noch 4,5 Prozent regelmäßig die Messe und 15 Prozent einmal im Monat. Der Klerus ist stark überaltert, weil kaum noch junge Franzosen den Ruf verspüren, Geistliche zu werden, und da es keine Kirchensteuer gibt und man auf freiwillige Spenden angewiesen ist, ist die Katholische Kirche bettelarm.

Sie setzt jedoch auf ihr »Störpotenzial«, indem sie im »zwanglosen Gedankenaustausch« mit den führenden Repräsentanten der anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften eine gemeinsame Front gegen Neuerungen in der Gesellschaft zu zimmern versucht. Zumal solche Reformen die fortschreitende Trennung von Kirche und Staat zementieren und die Rolle der Kirchen weiter zurückdrängen würden.

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