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Antisemitismus und Islamophobie
Knapp eine Woche nach dem Überfall auf Rabbiner Daniel Alter in Berlin wurden dort jüdische Schüler antisemitisch attackiert. Erneut stehen arabisch stämmige Jugendliche unter Verdacht. Die Übergriffe werden von manchen Usern zum Anlass genommen, ihrerseits mit Vorurteilen zu reagieren. So auf www.welt.de. Leser ABC schreibt (bit.ly/OOHweb): »Das ist importierter Antisemitismus und wir unterstützen das auch noch mit Transferleistungen aus unserem Sozialetat. Wir dürfen nicht wegschauen wie damals. Antisemitismus hat in Deutschland nichts zu suchen.« Oder Okrato: »Haben wir nun wieder '33? Werden bald wieder Davidsterne an Hauswände geschmiert und Plakate mit der Aufschrift »Moslems, wehrt euch, kauft nicht bei Juden« verteilt?«
Ähnliches findet sich auf taz.de Chris fragt (bit.ly/Ql3LeW): »Wie nennt man eigentlich Angriffe auf Deutsche? Als ich überfallen wurde, stand nichts in den Zeitungen. Ich finde diese Überaufmerksamkeit für diese eine Gruppe übertrieben. Aus irgend einem Grund schafft sie es immer, schon seit gefühlten Jahrmillionen auf Seite eins. Ich möchte erinnern, dass auch Roma, Schwule und Behinderte ermordet wurden, für die es aber kaum Gedenkstätten oder solche Aufschreie gibt.«
Es gibt glücklicherweise aber auch andere Stimmen. Auf www.tagesspiegel.de will graefekiez (bit.ly/PZvxzH) »die Tür öffnen. Es gibt zahlreiche Ursachen, die unreife Jugendliche auf die blödsinnige wie verabscheuenswerte Idee bringt, jüdische Mitbürger anzupöbeln, zu beleidigen, bedrohen und tätlich anzugreifen. Dafür benötigen die Angegriffenen unsere ungeteilte Solidarität und es muss alles unternommen werden, die Täter zu fassen und entsprechend den rechtlichen Möglichkeiten abzuurteilen. Andererseits sollte unsere Gesellschaft für gegenseitiges Verständnis werben. Wir müssen die Brücken bauen, über die jüdische und ›arabische‹ Mitbürger gehen können, um sich zu begegnen. Die jüdischen Mitbürger sind im Vergleich zu großen Teilen der ›arabischen‹ Mitbürger ein gut integrierter Teil der Gesellschaft. Wenn wir wollen, dass Angriffe auf einen Teil der Gesellschaft unterbleiben, müssen wir uns um die soziale Ebene derer kümmern, von denen momentan die Attacken ausgehen und vor allem für gute Bildung sorgen, mithin für Integration und Normalität. Und dies nicht als Belohnung sondern als Schutz und Prävention.«
Für phaedra »kommen solche Beschimpfungen (wie die gegen die jüdischen Schülerinnen in Berlin, d. Red.) europaweit ›in Mode‹«. Sie verweist auf einen Artikel auf www.derstandard.at. wonach in Wien ein Rabbiner von einigen Fußballfans nach dem Spiel mit ›Scheiß-Juden raus, haut ab! Heil Hitler!‹ angeschrien und mit dem Hitlergruß konfrontiert wurde. (bit.ly/UnmZRY)
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