Generation »abgehängt«

  • Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 2 Min.
Karikatur: Christiane Pfohlmann
Karikatur: Christiane Pfohlmann

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) schlägt Alarm: 1,44 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren hatten 2010 keinen Berufsabschluss. Dies entspricht einer Quote von 17,2 Prozent in dieser Altersgruppe (0,8 Prozentpunkte mehr als 2009). Das von Bund und Ländern anvisierte Ziel, bis 2015 die Zahl der Schul- und Ausbildungsabbrecher zu halbieren, ist damit gescheitert. Der DGB spricht bereits von der »Generation abgehängt«, denn die meisten jungen Menschen ohne Berufsausbildung haben auch keinen Schulabschluss und ohne Bildung, so die DGB-Studie weiter, sinken die Aussichten auf einen Job dramatisch - knapp die Hälfte der 2,2 Millionen Menschen in Deutschland unter 24 Jahren ohne Schul- und Berufsabschluss ist arbeitslos.

Das ist ein Teil der Wirklichkeit. Gleichzeitig gehen den Betrieben die Lehrlinge aus. Während noch vor wenigen Jahren Jugendliche nach der Schule händeringend einen Ausbildungsplatz suchten, waren nach Angaben der Wirtschaft zum Start des aktuellen Ausbildungsjahres rund 100 000 Lehrstellen unbesetzt. Die Botschaft dieser Meldung: Es gibt genug Lehrstellen für alle.

Hinter beiden Meldungen steckt ein grundlegendes Problem: In früheren Zeiten reichte für die meisten Lehrberufe ein Hauptschulabschluss aus, oft hatten sogar Lehrstellenbewerber mit der einfachsten Bildungsreife - dem Abgangszeugnis - noch eine Chance auf dem Lehrstellenmarkt. Heute sind die Anforderungen in allen Berufen gestiegen, sodass oftmals sogar Realschulabsolventen der Zugang zu vielen Ausbildungsberufen verschlossen bleibt. Ein Viertel der Jugendlichen, die nach der Schule keine Lehrstelle finden und in berufsvorbereitenden Maßnahmen landen, haben laut DGB-Studie die Mittlere Reife.


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