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Reigen von Banalitäten
APO-Opa im Clinch mit Ralph Bendix' „Babysitter-Boogie“ ganz nett, aber mehr auch nicht. Zu abgegriffen ist bereits die Idee, Dokumentarmaterial, Werbeclips und fiktive Spielszenen miteinander zu montieren, um die dunklen Stellen der Vergangenheit zu erhellen. Da hält der Spaß sich in Grenzen. Auf den vor allem aber baut Daniel Cohn-Bendit sein Debüt als Regisseur eines Spielfilms. Zwangsläufig also macht sich Langeweile breit. Und im wirren Verlauf des unübersichtlichen Geschehens auch ein Gran Verärgerung. Denn waren die 60er Jahre nicht doch mehr als sweet?! Cohn-Bendit aber begnügt sich mit einem bunten Bilderreigen der Banalitäten.
Um die nostalgische Nummernrevue rankt sich eine krude Kriminalklamotte. Da versuchen zwei wuschige Gauner sich als Geschäftemacher. Einer Filmregisseurin bieten die beiden Toren für viel
Geld einen (fiktiven) Film über ein angebliches Zusammentreffen von Rudi Dutschke, Kultfigur der 68er-Bewegung, und Francois Truffaut, französischer Schöpfer mancher Kultfilme. Zu dessen Lieblingsschauspielern gehörte Jean-Pierre Leaud. Der darf denn auch bei dem „roten Danny“ auftreten. Was weder den Witz erhöht, noch der Verständlichkeit dient. Der Film im Film, der mal verschwindet, dann wieder auftaucht, genauso wenig.
Cohn-Bendit, hauptberuflich „Dezernent für multikulturelle Angelegenheiten“ in Frankfurt/Main, führte nicht nur Regie (gemeinsam mit Peter Franz Steinbach), er tritt auch in der Rolle eines Ganoven auf. Spätestens wenn er das erste Mal ungelenk durchs Bild schlüpft und von der Tonspur nuschelt, fällt einem die Binsenweisheit vom Schuster ein, der bei seinem Leisten bleiben sollte.
KLAUS RENKE
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