- Kultur
- EUROPA UNTERM HAKENKREUZ
Auch ein Denkmal für Ludwig Nestler
wissenschaftlich-dokumentarischen Werkes nicht mehr unter den Lebenden. Ludwig Nestler verstarb kürzlich an den Folgen einer Krankheit, gegen die ärztliche Kunst ein „Kraut“ noch nicht erfand. Sein Wirken wird vor allem mit der Tätigkeit jenes Dokumentations-Zentrums über den deutschen Faschismus verbunden bleiben, dem er über Jahre vorstand und dessen zu schreibende Geschichte zum zwiespältig-widersprüchlichen Bild der Historiographie im Staat DDR gehört. Nestler hat den gescheiterten Versuch mitgetragen, zum 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs erstmalig eine von Autoren aus beiden deutschen Staaten unter jeweils eigener Verantwortung geschriebene historiographische Bilanz vorzulegen und sich zu ihr in einem Aufsatz „Über den Verlust zumutbarer Standfestigkeit“ bekannt.
Nun ist, zum Zeitpunkt seines Todes, das Erscheinen dieses sechsten Bandes auch ein Denkmal für Ludwig Nestler,
Europa unterm Hakenkreuz, Band 6: Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941-1945). Hg. vom Bundesarchiv. Hüthig Verlagsgemeinschaft Heidelberg-Berlin 1992. 438 S., Abb., geb., 89 DM. .
dessen Verdienst ein Geleitwort von Friedrich P Kahlenberg, Präsident des Bundesarchivs, im Namen des neuen Herausgebers benennt. Ihm ist auch zu entnehmen, daß die beiden ausstehenden Bände des Projekts bald folgen sollen. Kahlenberg nennt Band 6 ein „Dokument der ,Wende'“, ohne diese Kennzeichnung weiter zu erläutern. Ihm und seinen (West-?)Kollegen sei bei der Herausgabe bewußt gewesen, daß „gewisse terminologische Wendungen, wie sie in der Historiographie der DDR üblich geworden waren, nur äußerst schwer veränderbar sein würden.“ Da ist ein heikles Thema des Pluralismusverständnisses berührt, das Akzeptanz der jeweils ei-
genen wissenschaftlichen Begrifflichkeit wohl einschließt.
Der Schwerpunkt der Edition liegt auf Jugoslawien, das auch in der umfänglichen, dennoch auf das Wesentliche konzentrierten Einleitung von Martin Seckendorf „Okkupationspolitik in Südosteuropa“ den Hauptteil beansprucht. Darin spiegeln sich eigene wie fremde Forschungsleistungen wider sowie der nicht durchweg gesicherte sprachliche Zugang zur Literatur, die in den einst von den deutschen Faschisten besetzten Staaten entstand.
Es sind vor allem die 365, aus Platzgründen großenteils im Auszug veröffentlichten Dokumente, die ein Bild von den militärischen, politischen, wirtschaftlichen Interessen und Maßnahmen der Okkupanten vermitteln. Das erste stammt vom Februar 1941 und enthält einen Bericht des Mitteleuropäischen Wirtschaftstages, der sich vor dem Einfall in Jugoslawien und Griechenland mit der wirtschaftlichen Durchdringung Südost-Europas befaßte, das letzte bildet
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