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50 000 Senioren erleiden Gewalt

Wohlfahrt: Mißhandlung Pflegebedürftiger wird totgeschwiegen

  • Lesedauer: 2 Min.

Bonn (ddp/ADN/ND). In Deutschland werden nach Schätzung des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes rund 50 000 zu Hause betreute Pflegebedürftige „psychisch oder körperlich von den sie pflegenden Familienangehörigen mißhandelt“. Der Verbandsvorsitzende Dieter Sengling nannte als Hauptgrund für die Seniorenmißhandlungen, die Familienangehörigen fühlten sich schlichtweg überfordert und aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Sengling kritisierte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, Seniorenmißhand-. lungen seien in der Bundesrepublik ein drängendes Problem, ohne daß Politik oder Öffentlichkeit darauf reagier-

ten und Abhilfe schafften. Während Kindesmißhandlungen und Mißhandlungen von Ehefrauen offen diskutiert würden, werde die Gewalt gegen alte Menschen „totgeschwiegen“. Er verlangte, daß die häusliche Pflege durch Beratungshilfen flankiert wird, um die botreuenden Angehörigen zu entlasten und den Schutz alter Menschen zu verbessern. Sengling schlug vor, Beratungsstellen, eine größere Anzahl von Angehörigengruppen sowie Selbsthilfeorganisationen für die „Gewaltanwender“ und ihre Opfer einzurichten. Außerdem soll-, ten nach französischem Vorbild Notruftelefone eingerichtet werden.

Bundesseniorenministerin Hannelore Rönsch, die Gewalt gegen Pflegebedürftige eine Ausnahme und kein Massenphänomen nannte, teilte mit, derzeit werde im Auftrag ihres Ministeriums an einer Untersuchung gearbeitet, um erstmals umfassendere Erkenntnisse über das tatsächliche Ausmaß von Gewalt gegen ältere Menschen zu erhalten. Nach Einschätzung der Vorsitzenden der Grauen Panther, Trude Unruh, findet die Mehrzahl der Mißhandlungen nicht in Familien, sondern in Heimen statt. Ihre Organisation habe „Kisten voller Beschwerden“ über Mißhandlungen durch das Pflegepersonal.

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