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Eiertanz um den Markt am Ostbahnhof

Bezirksamt will umgestalten - Händler in Existenznot Von Peter Kollewe

  • Lesedauer: 3 Min.

Unterschriftensammlung für den Markt, wie er ist

ND-Foto: Burkhard Lange

Unruhe auf dem Markt zwischen Kaufhof und Ostbahnhof in Friedrichshain. »Protest! Wir wollen diesen Markt erhalten. In der derzeitigen Größe, mit den jetzigen Händlern und unserer Marktleitung«. Zettel mit diesen Sätzen finden sich zwischen Spreewälder Gurken und Eis, Obst/ Gemüse und Geschenken, Textilien aller Art, Uhren, Kosmetik und Backwaren, Fleisch- und Wurstwaren. Kunden haben darauf viele Unterschriften hinterlassen. An einem Tag allein 800, versichert der gewählte Sprecher der rund 60 Händler, Thoralf Wolf. Alle stünden hinter diesem Protest.

Das Bezirksamt will den Hermann-Stöhr-Platz, wie der Ort jetzt heißt, zur öffentlichen Grün- und Erholungsanlage umgestalten, sagt Bezirksbürgermeister Helios Mendiburu (SPD) mit Verweis auf eine Vorlage vom Juni dieses Jahres. Einen begrünten Stadtplatz lege der Bebauungsplan fest und gestatte in der östlichen Hälfte auch einen Marktteil. Dessen Fläche soll bei 600 anstelle von derzeit 1500 Quadratmetern liegen, wissen Wolf und die Händler. Die öffentliche Ausschreibung werten sie als Beleg für einen angestrebten Wechsel des Betreibers. Ein neuer Marktleiter bringe dann wohl seine eigenen Händler mit, meint Obst- und Gemüsehändler Rolf Brunke von der Firma Sonja Walter aus Glindow. Das wäre für viele der jetzigen der sichere Weg zum Sozialamt.

Das wiederum bestreitet Mendiburu heftig. Er habe immer gesagt, niemand brauche Angst zu haben, die Händler würden wieder untergebracht. Dem jetzigen Marktleiter, Herrn Buchheim, wirft er jedoch vor, nie etwas investiert und nun Angst vor einem besseren Betreiber zu haben. Wenn Verträge immer nur eine Laufzeit von sechs Monaten haben, dann

dürfe man kaum Investitionen erwarten, hält Rolf Brunke gegen.

Auf eine einheitliche Gestaltung pocht Baustadträtin Martina Albinus-Kloss (für PDS). Die Ausschreibung-der Fläche laufe. Ende September erhalte einer der Bewerber den Zuschlag. Den Vorwurf der Händler, all das sei an ihnen vorbei entschieden worden, gibt sie zurück. Der jetzige Betreiber hätte sich an die Behörde wenden und informieren können. Ihr Amt arbeite transparent. Sie versicherte: keine Beseitigung des Marktes,

keine Zerschlagung vorhandener Angebotsstrukturen.

Vor Ort sieht man das etwas anders. Seit 1990 steht der Imbiß hier, in dem Ralph Grassmann verkauft. Merkwürdig sei das alles schon. Viele der Händler, die Familien ernähren müßten, bekämen wohl arge Probleme. Acht Jahre schon steht Roswitha Knothe mit ihren Textilien am Platze und zeigt auf den Neubau der Dresdner Bank. Was könne man dafür, wenn dort neueröffnete Läden schließen. Konkurrenz des Marktes? Man sollte sich die Ladenmieten ansehen (von etwa 60 Mark/Quadratmeter wird geredet) und dann urteilen. Apropos Angebotsstruktur. Für einen verkleinerten Markt ist ein Textilstand vorgesehen. Derzeit bieten 12 Händler Textiles an.

Das Protestschreiben, das Händlersprecher Wolf an die Bezirksbehörde sandte, landete gestern auf dem Tisch der Baustadträtin. Sie lud Wolf und zwei Vertreter der Händler für heute, 16 Uhr, zu einem Gespräch ein.

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