Haudrauf

Ronald Pofalla / Der Kanzleramtsminister festigt seinen Ruf als Merkels Wachhund

  • Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.

Ronald Pofalla äußert sich nicht zu den neuesten Vorwürfen. Ebenso wie die Kanzlerin hat er seine »Erinnerung erforscht, und da hat sich nichts geregt«, wie am Mittwoch mitgeteilt wurde. Vielleicht ist Medienschelte - die von so weit oben freilich als Donnergrollen wirkt - kein besonders einprägsames Ereignis für Pofalla. Wie es generell häufig grollt. Die CSU wollte einen Bericht über den SPD-Landesparteitag in Bayern verhindern, der bayerische Finanzminister Markus Söder soll als CSU-Generalsekretär auch mehrfach seine helfende Kritik beim ZDF hinterlassen haben, und Söders Ministeriumssprecherin scheint Interventionen zur regelmäßigen Beschäftigung gemacht zu haben, zumindest wird Entsprechendes vom Bayerischen Rundfunk und von »Focus Online« berichtet. Im neuesten, also in Pofallas Fall geht es wieder ums ZDF. Angela Merkel habe sich im Februar 2009 über eine vermeintliche Kampagne beklagt, und Pofalla habe sich darum gekümmert, heißt es. Intendant Markus Schächter und der stellvertretende Studioleiter Peter Hahne seien eingeschaltet worden. Über Konsequenzen ist bisher nichts bekannt. Wie gesagt, das leidige Gedächtnis. Auch das ZDF scheint noch in seinen Erinnerungen zu kramen.

Pofalla kam bei seiner Mission nicht nur die Mitgliedschaft im ZDF-Fernsehrat zugute, sondern auch eine Eigenschaft, die er inzwischen mehrfach überzeugend demonstriert hat. Er kann mächtig auf den Putz hauen. So derb zuweilen, dass bereits die Frage aufgetaucht ist, ob der 53-Jährige im Kanzleramt wirklich die beste Besetzung ist. Denn anders als ein Parteigeneral soll der Kanzleramtschef die Interessen der Koalitionspartner moderieren. Ein Haudrauf ist da ungeeignet.

Auf einen Schlag werden nun all die Erinnerungen wach - an Pofallas Fingerhakeln mit Ministerkollegen wie Karl-Theodor zu Guttenberg oder auch Norbert Röttgen, die Pofalla offenbar als Reviergegner empfand. Und an seinen Ausfall gegen Wolfgang Bosbach, dessen »Fresse« er nicht mehr sehen konnte, weil der Fraktionskollege gegen den EU-Rettungsschirm stimmen wollte. Mal sehen, wie lange Merkel Pofalla noch gewähren lässt.

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