Waffenstillstand

Ingolf Bossenz über einen russischen Exportschlager im Rüstungsbereich

  • Lesedauer: 1 Min.

Die Macht, die einem Diktum Mao Zedongs zufolge aus den Gewehrläufen kommt, nutzt einem russischen Hersteller der Letzteren derzeit offenbar herzlich wenig. Laut Medienberichten stecken die vor über 200 Jahren gegründeten Ishmasch-Werke in der Taiga-Republik Udmurtien in einer existenziellen Krise. Kündigungen und die Fusion mit einem anderen Werk seien kaum mehr zu vermeiden, heißt es.

Die wichtigste Ware des renommierten Waffenproduzenten sind Sturmgewehre der berühmten Marke Kalaschnikow. Ein Produkt, für das immerhin tagtäglich weltweit kostenlose Fernsehwerbung läuft. Ob Syrien oder Somalia, Kolumbien oder Kongo, Irak oder Indien - wo bewaffnete Konflikte ausgetragen werden, fehlt die robuste Handfeuerwaffe mit der charakteristischen Silhouette nicht. Seit Jahrzehnten dient sie Freiheitskämpfern und »Freiheitskämpfern«, Aufständischen und Terrormilizen, Diktatoren und Demokraten, ihren jeweiligen politischen Forderungen mit Stahlkerngeschossen Nachdruck zu verleihen.

Doch in diesem Jahr hat erstmals die russische Armee keine Kalaschnikows nachgekauft. Laut Generalstab sind bereits 17 Millionen davon auf Lager - bei einer Million Soldaten. Heinrich Heine meinte, es gebe »nichts Stilleres als eine geladene Kanone«. Er konnte sich allerdings noch keinen Berg von 17 Millionen Automatikwaffen vorstellen.

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