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Beutekunst und Diplomatie

Entdeckung I

  • Lesedauer: 2 Min.

Im lange festgefahrenen Beutekunst-Streit mit Russland signalisiert die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Kompromissbereitschaft. »Vielleicht müssen wir beginnen, von Maximalpositionen abzurücken«, sagte ihr Präsident Hermann Parzinger am Donnerstag. »Es würde sich lohnen, andere Möglichkeiten zu erwägen«. Dieses »letzte große offene Thema in den deutsch-russischen Beziehungen«, das aus der Geschichte herrühre, sollte geklärt werden.

Parzinger mahnte dazu baldige Gespräche zwischen beiden Ländern an: »Das ist etwas, was die Politik verhandeln muss. Im Rahmen der regelmäßigen Regierungskonsultationen besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. Im Rahmen solcher Verhandlungen den endgültigen Verbleib der Beutekunst zu klären, sei sicher nicht einfach, es bedürfe daher eines Zeichens, dass man nochmals über weitere Optionen nachdenken will. »Ich würde mir wünschen, dass es dazu bald käme«, fügte Parzinger hinzu. Die Stiftung befinde sich nicht auf »Rückzug«, sondern sei an einer konstruktiven Lösung interessiert. »Ich gehe davon aus, dass auch die russische Seite die Situation nicht als ideal betrachtet«, sagte der Stiftungspräsident weiter. Denn derzeit drohe den Beutekunst-Objekten bei einer Präsentation im Ausland die Beschlagnahme. Dies sei ein »Zustand, der für die russischen Museen sicher nicht optimal ist«.

Von den ursprünglich mindestens 2,5 Millionen Kunstwerken, die die sowjetische Armee nach 1945 in Ostdeutschland beschlagnahmte, wurden etwa drei Fünftel bereits in den 50er Jahren an die DDR zurückgegeben. Zu den bekanntesten Stücken hierbei zählte etwa der Pergamonaltar. 2003 erklärte die Duma in einem Gesetz den verbliebenen Rest der Kunstschätze zu russischem Eigentum, was Deutschland als völkerrechtswidrig betrachtet. epd

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