Betreutes Töten

Ingolf Bossenz über die Unterstützung der Kriegspolitik von prominenter Seite

  • Lesedauer: 1 Min.

Wie einst Lili Marleen«, sang Marlene Dietrich, als sie während des Zweiten Weltkriegs mit den US-Truppen unterwegs war. Die Stars, die mit ihren Auftritten der Ikone der Truppenbetreuung folgten, taten das zu Zeiten, da das Feindbild längst nicht mehr so unumstritten war: Korea, Vietnam, Irak, Afghanistan ... Bob Hope, Marilyn Monroe und Nancy Sinatra, Pamela Anderson, Chuck Norris und Bruce Willis ... Als auch deutsche Soldaten wieder ins Feld ziehen durften, kamen Peter Maffay und Gunter Gabriel ins Kriegsgebiet am Hindukusch.

Dorthin, zu den britischen Truppen, zog es nun auch James-Bond-Akteur Daniel Craig. Der Darsteller des Mannes mit der Lizenz zum Töten bei Männern und Frauen, deren Auftrag gleichfalls von einer solchen Lizenz geprägt wird. Spiel und Realität finden auf kongeniale Weise zueinander. Die kürzlich aufgeflogenen US-Elitesoldaten, die mit ihrem Geheimwissen eine Firma für Computerspiele berieten, bedienten lediglich die andere Seite dieser Verbindung. Wie auch Craig: Zum Abschluss seines Besuchs ballerte er mit einem Maschinengewehr. Eine diabolische Dialektik. Auf die Idee, in einem Feldlager »Lysistrata« aufzuführen, kam bislang noch niemand. Immerhin bietet Aristophanes' Komödie über die sexuelle Verweigerung der Frauen zwecks Friedenserzwingung beste Unterhaltung. Aber wohl zu viel Stoff zum Nachdenken.

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