- Kultur
- Bücher zum Verschenken
Ritter Kauz
Deutsche Balladen
Noch ein Balladenbuch. Das reißt wahrscheinlich keinen vom Hocker. Kennt man ja alles: Goethe, Schiller, Heine, Uhland, Fontane und der ganze Rest, quer durch Beet und Geschichte. Irgendwie sind sich die Anthologien ja alle sehr ähnlich. Glaubt man.
Aber alle denn doch nicht. Bei Hanser gibt es jetzt eine, die ist anders. Vorn, auf dem Umschlag, das schwebende Liebespaar von Mattheuer und drinnen, geist- und herzerfrischend, viele Texte, die es in andere Balladenbücher nicht geschafft haben: Erich Weinert und Hacks, Christoph Meckel und Michael Krüger, Bobrowski, Nicolas Born und H. C. Artmann, die Kolmar und die Kaschnitz, aber auch Udo Lindenberg und Reinhard Mey.
Wulf Segebrecht, der das Ganze arrangiert hat, beginnt in der Gegenwart und arbeitet sich langsam zurück über Goethe und Matthias Claudius bis ins 16. Jahrhundert. Dazu immer wieder frivole, schaurige, komische, hochdramatische Strophen, die anonym überliefert sind. Hier wird man sich, blätternd, schnell festlesen. Titel locken: »Ballade vom schweren Leben des Ritters Kauz vom Rabensee« (Hacks), »Der bethlehemitische Kindermord« (Lernet-Holenia), »Inventar oder Die Ballade von der zerbrochenen Vase« (Grass), »Der Handstand auf der Loreley« (Kästner), »Eine Geschichte von der seligen Zensur« (Fritz Grünbaum) oder »Der Narr des Grafen von Zimmern« (C. F. Meyer). Für die Sammlung spricht auch, dass sie schön geworden ist, nobel gedruckt auf Dünndruckpapier und handlich, auch für den Nachttisch bestens geeignet.
Deutsche Balladen.Gedichte, die dramatische Geschichten erzählen. Hg. v. Wulf Segebrecht. C. Hanser. 887 S., geb., 34,90 €
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.