Drahtesel aus Pappe
Israelischer Tüftler baut außergewöhnliches Gefährt
Auf den ersten Blick sieht das Fahrrad aus, als sei es dem Grafikprogramm eines Computers entsprungen: Rahmen, Speichen, Pedale - alles ist weiß und nicht gerade filigran. Nur die Räder sind teilweise aus Gummi, und der Sattel setzt sich durch die braune Farbe vom Rest des Vehikels ab. Darauf sitzt der 50-jährige Ishar Gafni und radelt durch Hadera im Zentrum Israels.
Was designtechnisch etwas plump daher kommt, ist reinster Pappkarton. Gafni, Entwickler für Produktionstechnik, hat jahrelang daran getüftelt, ein Fahrrad aus diesem Material zu entwickeln. Er selbst ist begeisterter Radfahrer. Auf die Idee, ein Rad aus Pappe zu machen, kam er beim Einkaufen von Ersatzteilen. »Ich traf einen, der kannte einen, der ein Kanu aus Karton entwickelt hat.«
Gafni konnte an nichts anderes mehr denken. Bis seine Frau befahl, »dieses Fahrrad endlich zu entwickeln. Ansonsten werde sie verrückt.«
Als Vorbild nahm sich Gafni die japanische Origami-Kunst des Papierfaltens: Aus einem quadratischen Stück Papier entstehen ohne Klebstoff und Schere dreidimensionale Objekte. Doch ohne Maschinen und Werkzeug kommt der 50-Jährige bei der Herstellung des Papprads nicht zurecht. Damit sägt, locht, presst und biegt er das Material zurecht. In der Herstellung koste das Rad sieben Euro, Käufer sollen nicht mehr als 15 Euro bezahlen. Vielen brennen jedoch zwei Fragen unter den Nägeln: Was passiert mit dem Karton, wenn es regnet? Und was, wenn er Feuer fängt? Das Problem sei in der Tat die größte Herausforderung gewesen. Aber dank eines geheimen Lackes biologischer Zusammensetzung überstehe das Rad jeden Schauer. Der unerwartete Nebeneffekt des Lackes: »Er ist auch feuerfest.«
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