Nachwahlwehwehchen
Uwe Kalbe über Reaktionen der niedersächsischen Parteien
Die Wahl in Niedersachsen hat einige Ungereimtheiten verursacht. So rückt die zwar gefledderte, aber immer noch stärkste Partei, die CDU, ohne einige ihrer bisherigen Minister in den Landtag ein, weil diese kein Direktmandat gewannen, die Landesliste aber keinem einzigen Politiker der CDU ins Parlament verhilft. Zu wenig Zweitstimmen ... Mit Blick etwa auf den bisherigen Innenminister Uwe Schünemann kann man da sagen: Na also!
Dass die CDU damit den Preis für die gepäppelte FDP zahlt, die von den Leihstimmen von CDU-Wählern profitierte, muss kein Mitleid wecken. Das Ergebnis rückt nun aber auch die gängige Umfragepraxis ins Zwielicht. Denn in den letzten veröffentlichten Umfragen, zwei Wochen vor der Wahl, lag die FDP bei vier Prozent und damit knapp unter der Wasseroberfläche, was viele Wähler offenbar zu einem Rettungsversuch animiert hat. Umfragen kurz vor der Wahl hätten signalisiert, dass die Liberalen längst in trockenen Tüchern waren. Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen hat sich deshalb in der »Berliner Zeitung« dafür ausgesprochen, die »bisherige Zurückhaltung« aufzugeben und Umfrageergebnisse bis zuletzt zu publizieren. Wenn schon Wählerbeeinflussung, dann wenigstens mit den aktuellsten Zahlen.
Das kann man so sehen. Dennoch werden Umfragen immer auch einen Rest »Interpretationsfreiheit« des Instituts beinhalten. Mit Vorliebe gering geschätzte Parteien wie die LINKE bleiben benachteiligt.
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