Spaß am Clownsberuf

Peer Steinbrück macht aus dem Tritt ins Fettnäpfchen einen Sport

  • Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.
Jetzt hat ihm seine verbale Kraftmeierei auch noch einen Spitznamen eingehandelt. SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück ist nach umstrittenen Äußerungen über den Wahlausgang in Italien zum Peerlusconi erklärt worden. Ihm macht das nichts aus.

Die SPD-Oberen sind Peer Steinbrück nicht böse. Während sie Honorarverträge des Kanzlerkandidaten oder seine Äußerungen über das Kanzlergehalt eher gequält zu entschuldigen suchten, finden sie am jüngsten Fauxpas nichts Schlimmes. Und Steinbrück sowieso nicht. Es gebe nichts zurückzunehmen, sagte er im Angesicht der auf ihn zurollenden Woge der Empörung. Auf einer Veranstaltung mit dem Titel »Klartext« hatte Steinbrück das Wahlergebnis mit den Worten kommentiert: »Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben.« Der eine sei »ein beruflich tätiger Clown, der auch nicht beleidigt ist, wenn man ihn so nennt«, der andere »ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub«. Der Satz, gemünzt auf Beppe Grillo und Silvio Berlusconi, hatte das wenig überraschende Ergebnis, dass gespielte Empörung und beißender Spott der Regierungsparteien auf die SPD herniedergingen und der sich eben in Deutschland befindende italienische Präsident Giorgio Napolitano ein für Mittwochabend verabredetes Essen mit Steinbrück absagte. Napolitano schob am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit Bundespräsident Joachim Gauck noch einen verbalen Rüffel hinterher: »Es liegt natürlich auf der Hand, dass das nicht in Ordnung ist«, sagte er. Immerhin hatte es zuvor ein angeblich »klärendes Gespräch« zwischen beiden am Telefon gegeben. Vom FDP-Fraktionsvize Volker Wissing wurde Steinbrück inzwischen zum außenpolitischen Sicherheitsrisiko erklärt, das »zunehmend zu einem deutschen Peerlusconi« mutiere.

Peerlusconi - damit könnte Steinbrück seiner Marke eine dauerhafte Aufschrift hinzufügen, und es stört die SPD nicht, dass dies ihr eifrig gepflegtes Image von der verantwortlich handelnden Regierungspartei beschädigt, die man nur nicht verantwortlich handeln lässt. Bisher hatten die Sozialdemokraten mit genau dem Vorwurf der außenpolitischen Unberechenbarkeit die Regierungsfähigkeit der Linkspartei bestritten. Nun trifft es sie selbst.

Was Generalsekretärin Andrea Nahles so wenig anficht wie den Parlamentarischen SPD-Geschäftsführer im Bundestag, Thomas Oppermann. Erstere sprach ein weiteres Mal von »klarer Kante«, die typisch für Steinbrück sei. »Clown« sei das Mildeste, was ihr persönlich zu Berlusconi einfalle, ergänzte sie keck. Und Oppermann meinte gar, Steinbrück habe es »auf den Punkt gebracht«. Als Kanzler, ergänzte er allerdings vorsorglich, werde er zurückhaltender sein. Warum eigentlich? Denkbar ist, dass die Spekulation der SPD-Oberen zutrifft, beim Wähler könne der Kandidat mit seiner Provokation durchaus landen.

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