Wenig glaubwürdig
Gabriele Oertel über Peer Steinbrücks Bemühungen, sich als soziale Alternative zu präsentieren
Am Montag hat Peer Steinbrück zurückgeschlagen. »Das ist das Programm des Kandidaten und der Partei«, depeschierte er nicht zuletzt an seinen ehemaligen Kieler Mitstudenten und heutigen Provokateur vom Dienst, Wolfgang Kubicki. Der hatte den SPD-Kanzlerkandidaten auf dem FDP-Parteitag als »arme Sau« bezeichnet.
Ganz abgesehen davon, dass das mit der Armut bei Steinbrück, wie wir wissen, nicht ganz so schlimm ist und auch abstrahiert von der verbalen Entgleisung – die Malaise für den obersten sozialdemokratischen Wahlkämpfer ist offensichtlich. Er, der nicht müde wird, die Agenda 2010 zu verteidigen, mit der die SPD nicht nur Macht und Vertrauen, sondern Hunderttausend Mitglieder verlor, geriert sich jetzt als die ach so soziale Alternative, derweil Ex-Kanzler Gerhard Schröder schon mit einer Agenda 2020 droht. Steinbrück, der als Finanzminister in der Großen Koalition für manch falsche finanzpolitische Weichenstellung bei Krisenbeginn verantwortlich ist, spricht heute von der Bändigung des Finanzkapitalismus, derweil Banker längst wieder ihre Boni in Waschkörben nach Hause tragen.
Bleiben SPD und Kandidat bei den wenig erfolgversprechenden Umfragewerten, wird das jedenfalls nicht zuvorderst dem Hang Steinbrücks zu diversen Fettnäppchen geschuldet sein und auch nicht seinem angeblichen Klare-Kante-Stil. Mann wie Partei haben ein Glaubwürdigkeitsproblem, das auch nicht verschwindet, wenn sie ihr Wahlprogramm zur Herzensangelegenheit erklären.
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