Ärgern im Hafen

Der Hering ist da, doch die Ostseefischer sind blockiert

  • Martina Rathke, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.
Für die Fischer ist es bitter: Eis auf den Küstengewässern der Ostsee zwingt sie derzeit in die Häfen, obwohl der Hering vor der Küste steht. Nur wenige Tonnen konnten bislang gefangen werden. Seit dem Jahreswechsel gab es somit auch kaum Einnahmen.

Freest/Stahlbrod. Der nochmalige Wintereinbruch an der Küste sorgt für einen schleppenden Start der vorpommerschen Küstenfischer in die Heringssaison. Die Freester Stellnetzfischer liegen derzeit im Hafen, weil Eisschollen auf dem Greifswalder Bodden und anderen küstennahen Gewässern die Netze zu zerstören drohen. Die Stahlbroder Fischer zwingt eine nahezu geschlossene Eisdecke auf dem Strelasund zum Warten.

»Es ist bitter«, sagte der Chef der Stahlbroder Fischereigenossenschaft, Bernd Schütze, am Donnerstag. »Der Hering ist da und wir können nicht raus.« Von den 180 Tonnen Hering, die die fünf Stahlbroder Kutter nach der Quotenerhöhung in diesem Jahr einholen können, sind bislang erst 16 Tonnen abgefischt worden.

Zudem warten die Fischer auf den Hering mit ausgereiftem Rogen, wie der Chef der Fischereigenossenschaft, Michael Schütt, am Donnerstag sagte. Mit diesem lassen sich höhere Preise erzielen. Im vergangenen Jahr hatten die Freester Fischer ihre Quote von rund 1200 Tonnen bis Ende März weitgehend abgefischt.

In diesem Jahr seien bislang 80 Tonnen Schleppnetz- und 60 Tonnen Stellnetzhering gefangen worden, obwohl der Hering in den küstennahen Gewässern stehe, sagte Schütt. Der verzögerte Start in die Saison sorgt für Ebbe in der Kasse. Seit Ende vergangenen Jahres hätten die Fischer kaum Einnahmen gehabt. »Es gibt Fischer, die leben jetzt vom Gehalt ihrer Ehefrauen.«

Die Küstenfischer an der Ostsee rechnen damit, dass sie bei den derzeitigen Wetterprognosen noch mindestens eine Woche in den Häfen verharren müssen. Nach Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist in den nächsten zwei Nächten mit einer weiteren Eisbildung zu rechnen. Von Samstag an sagen die Prognosen eine Wetterbesserung voraus.

Für die Fischer gilt: Je kürzer die Fangsaison, desto größer ist der Aufwand. »Es wird eine großer Kraftakt, in einer kurzen Saison die Fänge einzufahren«, sagte der Stahlbroder Fischer Schütze. Werde es Ende März, Anfang April in kurzer Zeit sehr schnell warm, dann könne die Fangsaison schnell zu Ende sein, weil sich der Hering dann wieder aus den küstennahen Gewässern zurückziehe.

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