Steueranwalt: Strafbefreiende Selbstanzeige auch von Oppositionspolitikern
Linkenpolitiker Gysi fordert Ende der Privilegierung für Steuerbetrüger / SPD auch für Abschaffung - lehnt aber Antrag der Linken im Bundestag ab
Berlin (nd). Nach Angaben des Vorsitzenden des Steuerrechtsausschusses im Deutschen Anwaltverein, Klaus Olbing, sind strafbefreiende Selbstanzeigen auch unter Politikern verbreitet. Nicht zuletzt „Abgeordnete der SPD, der Grünen und sogar der Linken waren schon dankbar, dass es die straflose Nacherklärung hinterzogener Steuern gibt“, sagte der Berliner Jurist dem „Focus“. Er selbst habe für Politiker „aus allen im Bundestag vertretenen Parteien Selbstanzeigen vorbereitet“, so Olbing. Namen nannte er nach Darstellung des Magazins nicht.
Derweil hat Linksfraktionschef Gregor Gysi die Forderung nach einer sofortigen Abschaffung der strafbefreienden Selbstanzeige erneuert. „Es ist niemandem zu vermitteln, dass millionenschwere Steuerbetrüger bei Selbstanzeige straffrei bleiben, während Parkplatzrempler, Schwarzfahrer oder Ladendiebe auch bei Selbstanzeige mit Strafe rechnen müssen“. Die „beispiellose rechtliche Privilegierung für Steuerbetrüger“ gehöre sofort abgeschafft, so der Linkenpolitiker
Ein entsprechenden Antrag der Linken hatten Union, FDP, SPD und Grüne am Freitag im Bundestag allerdings abgelehnt. „Aber sie werden sich dem Zeitgeist nicht entziehen können“, kritisierte Gysi das Abstimmungsverhalten. Die Sozialdemokraten, welche dem Antrag der Linken nicht zustimmen mochten, haben inzwischen angekündigt, die strafbefreiende Selbstanzeige zuerst auf Bagatelldelikte zu reduzieren und dann „in einer Frist von spätestens zwei Jahren komplett auslaufen“ zu lassen, wie SPD-Chef Sigmar Gabriel in den „Stuttgarter Nachrichten“ sagte.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.