Polizei nimmt ehemaligen KZ-Aufseher fest
Ermittlungen wegen Beihilfe zum Mord gegen 93-Jährigen / Wiesenthal-Zentrum begrüßt Verhaftung
Stuttgart (Agenturen/nd). Die Polizei in Baden-Württemberg hat einen ehemaligen Aufseher des Konzentrationslagers Auschwitz festgenommen. Wegen des dringenden Tatverdachts, die Morde in dem Vernichtungslager unterstützt zu haben, wurde der 93-Jährige am Montag in Untersuchungshaft genommen, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. Der Mann, der zuletzt in Aalen lebte, hatte demnach von Herbst 1941 an bis zur Auflösung des Lagers im Frühjahr 1945 in Auschwitz gearbeitet und dort neben anderen Aufgaben auch Aufseherdienste verrichtet.
Das Wiesenthal-Zentrum in Israel hat die Verhaftung eines 93 Jahre alten früheren Aufsehers des Konzentrationslagers Auschwitz begrüßt. Der Leiter der Einrichtung, Efraim Zuroff, sprach am Montag von einem positiven ersten Schritt. „Wir hoffen, dass es noch eine ganze Reihe erfolgreicher juristischer Schritte der deutschen Behörden gegen KZ-Personal und Mitglieder der Einsatzgruppen geben wird“, sagte Zuroff.
Nach Angaben des Wiesenthal-Zentrums gehörte er dem Totenkopf-Sturmbann an, der Wachmannschaft des Konzentrationslagers. Er habe auf der Liste der zehn meistgesuchten Nazi-Verbrecher auf Platz vier gestanden. Der Mann soll den Angaben zufolge wegen Beihilfe zum Mord angeklagt werden.
„Wir werden versuchen konkret inhaltlich und zeitlich festzustellen, was er in Auschwitz gemacht hat“, sagte die Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Zwar gingen die Ermittler davon aus, dass der Verdächtige in seiner Funktion als Aufseher nicht selbst Menschen im Lager getötet habe, wohl aber „mit seinen Handlungen dort die Täter unterstützte“, sagte die Sprecherin weiter. Eine entsprechende Anklageschrift werde derzeit vorbereitet. Ein Arzt habe den Mann trotz seines hohen Alters am Montag als haftfähig beurteilt. Seit November 2012 hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt.
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