Wer hat uns verraten?

Die SPD macht der Sozialistischen Internationale Konkurrenz

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin (nd). Die SPD feiert - heute vor 150 Jahren wurde in Leipzig unter Führung von Ferdinand Lassalle der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegründet. Ein Datum, das die deutsche Sozialdemokratie als ihre Geburtsstunde betrachtet. Natürlich feiert die SPD nicht nur, sie feiert sich. Selbstkritisch auf die widersprüchliche Parteigeschichte zu blicken wäre vielleicht zu viel verlangt, zumal die Festspiele Teil des Wahlkampfs sind.

Dabei sind die Widersprüchlichkeiten der bei weitem interessanteste Teil der Parteigeschichte. Frido Seydewitz, Sohn des früheren SPD- und SED-Politikers und einstigen sächsischen Ministerpräsidenten Max Seydewitz und selbst aktiver Sozialdemokrat, kann mit seiner Familiengeschichte das revolutionäre, gewalttätige, weltumstürzende 20. Jahrhundert illustrieren. Inklusive jener fatalen Verirrungen in der Arbeiterbewegung, die sich im gegenseitigen Vorwurf »Wer hat uns verraten?« zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten artikulierten.

Wer hat uns verraten - das fragt sich jetzt wohl auch der Präsident der Sozialistischen Internationale, Griechenlands früherer Ministerpräsident Giorgos Papandreou. Diesmal kommt der Affront allerdings von den eigenen Genossen. Denn SPD-Chef Sigmar Gabriel rief mit der am Mittwoch in Leipzig gegründeten Progressive Alliance einen Konkurrenzverein zur Sozialistischen Internationale aus. Offenbar will die SPD ein paar ungeliebte Altlasten aus dem weltweiten sozialdemokratischen Freundeskreis loswerden und bastelt sich eine neue Internationale. Die traditionsreiche alte lässt sie politisch, organisatorisch und finanziell sitzen.

Seiten 2, 3 und 17

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