Britische Rechtsradikale marschieren
Antifaschisten wenden sich gegen Islamophobie nach Soldatenmord
London (AFP/dpa/nd). Seit dem Mord an dem 25-jährigen Soldaten Lee Rigby marschieren fast täglich Hunderte Rechtsradikaler in britischen Städten auf und fordern die Ausweisung muslimischer Prediger. Die Familie des Opfers hatte dazu aufgerufen, den Namen des Toten nicht für radikale politische Ziele zu missbrauchen.
Am Sonnabend lieferten sich rechtsextreme Demonstranten und linksgerichtete Gegendemonstranten in London einen heftigen verbalen Schlagabtausch. Die Polizei hielt beide Kundgebungen in der Nähe des Parlaments in Schach, mindestens 58 Menschen wurden festgenommen. Unterdessen muss sich nun auch der zweite mutmaßliche Attentäter wegen Mordes verantworten, er soll am Montag vor Gericht erscheinen.
An der Protestkundgebung der rechtsextremen British National Party (BNP) nahmen nach Angaben von Scotland Yard rund 150 Anhänger teil, die Gegendemonstration der antifaschistischen Bewegung Unite against Fascism hatte doppelt so viele Teilnehmer. Viele BNP-Anhänger schwenkten britische Fahnen, auf Spruchbändern forderten sie »Hassprediger, raus!« Einer der Organisatoren, Adam Walker, warf der Regierung eine zu nachgiebige Haltung gegen radikale Islamisten vor. Ursprünglich wollte die BNP ihren Marsch im Stadtteil Woolwich veranstalten, wo der Soldat Lee Rigby ermordet worden war, doch hatte dies die Polizei verboten.
Gegendemonstranten trugen Spruchbänder wie »Nein zur Islamphobie« mit sich. Der Chef der Bewegung aus linksgerichteten Gruppierungen und Gewerkschaftern, Steve Hart, warf der BNP vor, den Mord für ihre politischen Ziele zu missbrauchen - und damit die Bitte von Rigbys Familie zu missachten.
Rigby war am 22. Mai auf offener Straße in London regelrecht hingerichtet worden. Bei den beiden mutmaßlichen Tätern handelt es sich um zum Islam konvertierte Briten nigerianischer Abstammung. Einer hatte gesagt, er habe den Soldaten als Vergeltung für die Tötung von Muslimen ermordet. Die beiden 22- und 28-jährigen Männer wurden nach der Tat von der Polizei angeschossen und in verschiedene Krankenhäuser gebracht, konnten die Klinik inzwischen aber wieder verlassen. Die beiden Männer sollen am Montag zu einer Voranhörung vor unterschiedlichen Gerichten in London erscheinen. Beiden werden Mord an dem Soldaten und versuchter Mord an zwei Polizisten vorgeworfen.
Der frühere Premierminister Tony Blair warnte in einem Beitrag für die »Mail on Sunday« vor den Folgen religiöser Radikalisierung bei Jugendlichen. »Der Samen für künftigen Fanatismus und Terror ist gesät«, schrieb Blair. »Es gibt kein Problem mit Muslimen allgemein. Aber es gibt ein Problem im Inneren des Islams.«
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.