Erfolgreicher Protest: São Paulo und Rio nehmen Nahverkehrspreiserhöhung zurück

Massendemonstrationen gegen Milliarden-Ausgaben für WM gehen aber weiter / FIFA: »Niemand ist damit glücklich«

  • Lesedauer: 2 Min.

São Paulo (Agenturen/nd). Nach Massenprotesten im ganzen Land haben die brasilianischen Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro die kritisierten Fahrpreiserhöhungen für den öffentlichen Nahverkehr zurückgenommen. Die Preiserhöhungen für U-Bahnen, Züge und Busse würden ausgesetzt, erklärte der Gouverneur des Bundesstaates São Paulo, Geraldo Alckmin, am Mittwoch (Ortszeit) vor Journalisten. Der Bürgermeister von Rio, Eduardo Paes, kündigte eine Preissenkung lediglich für Busfahrten an.

Das Heraufsetzen der Ticketpreise war ein Auslöser der seit eineinhalb Wochen anhaltenden Massenproteste in zahlreichen brasilianischen Städten. Die Wut der Demonstranten richtet sich auch gegen hohe Ausgaben für die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Sommerspiele 2016. Sie beklagen, dass es zugleich an Investitionen in das Sozialsystem mangele.

Am Mittwoch gingen im ganzen Land erneut zehntausende Menschen auf die Straße. Bei Straßenschlachten mit der Polizei wurden im nordöstlich gelegenen Fortaleza mindestens zwei Protestteilnehmer verletzt. Demonstranten blockierten dort vor einem Spiel der brasilianischen Fußballnationalmannschaft den Zugang zum Stadion.

In Niteroi bei Rio de Janeiro gingen am Mittwochabend erneut tausende Menschen auf die Straße. Es kam zu Zusammenstößen mit Sondereinheiten der Polizei, die Tränengas einsetzten. Die Demonstranten hatten zuvor eine Brücke besetzt. Einige Randalierer versuchten, einen Bus umzustürzen und in Brand zu setzen. Auch in São Paulo zogen wieder tausenden Menschen über die zentrale Avenida Paulista.

Erstmals meldete sich am Mittwoch Neymar, populärer Jungstar des Nationalteams, zu den Protesten zu Wort. »Was gerade in Brasilien passiert, macht mich traurig«, hieß es in einer Erklärung des Fußballers, die in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde. »Ich will ein gerechteres, sichereres, gesünderes und ehrlicheres Brasilien«, erklärte Neymar. Es sei Aufgabe der Regierung, für gute Bedingungen im Nahverkehr, eine bessere Gesundheitsversorgung und Bildung sowie für öffentliche Sicherheit zu sorgen, mahnte er an.

Für Rio kündigten mehrere Gruppen Demonstrationen an, wenn am Donnerstag im Maracanã-Stadion das Spiel Spanien-Tahiti ausgetragen wird. FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke rechnet mit einer Million Demonstranten. Dies sagte der Franzose am Rande der Confed-Cup- Begegnung zwischen Gastgeber Brasilien und Mexiko in Fortaleza der Nachrichtenagentur dpa. »Wir können nichts tun«, sagte Valcke. »Das ist eine unangenehme Situation für alle Beteiligten. Niemand ist damit glücklich.«

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