Berlin: Lage der Flüchtlinge im Hungerstreik bedrohlich
Linkenpolitiker Tas: »Man muss Angst haben, das einer von ihnen stirbt« / Wowereit: Das ist nicht das geeignete Protestmittel
Berlin. Die Lage der hunger- und durststreikenden Flüchtlinge hatte sich am Donnerstag weiter zugespitzt. »Man muss Angst haben, das einer von ihnen stirbt«, sagte der Innenexperte der Linken-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Hakan Tas, im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Es hat bereits 30 Einsätze der Feuerwehr bei Schwächeanfällen gegeben.
Tas machte die schlechte Behandlung der Flüchtlinge für deren Hungerstreik mitverantwortlich. Einige von ihnen hätten zuvor in Bayern seit über einem Jahr auf die Beantwortung ihrer Asylanträge gewartet Anträge seien nicht bearbeitet worden. Diese Menschen sagten von sich selbst, sie hätten nichts zu verlieren, unterstrich der Linkenpolitiker.
Seit dem 9. Oktober harren Flüchtlinge bei Regen und Kälte am Brandenburger Tor in Berlin aus. Die mehr als 20 Flüchtlinge sind nach eigenen Angaben seit der vergangenen Woche im Hungerstreik, seit Tagen trinken sie auch nichts. Immer wieder werden sie von Ärzten behandelt.
Sie wollen mit einem Hunger- und Durststreik die Anerkennung ihrer Asylanträge erzwingen. Viele von ihnen hätten Gefahren, Terror und Krieg erlebt, sagte Tas. Nun müssten sie hier in Berlin erneut um ein besseres Leben kämpfen. Allerdings wolle die Bundesregierung offenbar die Stimme der Asylbewerber nicht hören. So habe bisher kein Vertreter die Hungerstreikenden besucht.
Der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge kündigte bei einem Besuch der rund 30 protestierenden Flüchtlinge am Brandenburger Tor an, dass sich Kirchenvertreter nun persönlich bei politisch Verantwortlichen dafür einsetzen wollen, dass für jeden Einzelnen eine Lösung gefunden wird.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hält den Hungerstreik der Flüchtlinge nicht für die richtige Form des Protests. Der »Berliner Zeitung« sagte er: »Ich kann niemandem etwas vorschreiben. Aus meiner Sicht sind das keine geeigneten Mittel. Ich finde, es gibt andere Möglichkeiten.« Wowereit bezog sich dabei auch auf das Protestcamp von Flüchtlingen am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg.
In Hamburg kam es am Donnerstagabend zu einem Polizeieinsatz gegen rund 500 Unterstützer von Flüchtlingen, die sich aus Protest gegen den Umgang des SPD-Senats mit den Menschen, die über Lampedusa nach Europa flüchteten, in der Innenstadt versammeln wollten. Die Polizei verhinderte nach eigenen Angaben aber den Protestzug.
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