- Politik
- Gerhard Bengsch schrieb eine bitterböse Satire
Anton Prott schafft Leo Prünzke
Die Geschichte von Gerhard Bengsch ist im Eulenspiegel Verlag herausgekommen. Das zu Recht. Es ist eine bitterböse Satire. Aber nicht so bitter böse geschrieben,1 sondern‹mehr plaudernd erzählt von einem Schriftsteller, der vornehmlich für das Fernsehen gearbeitet hat, einem Schreiber aus dem Osten. Es ist eine Geschichte, die für den Polstermeister Leo Prünzke aus Brandenburg ausweglos endet.
Er (Leo Prünzke) gilt als verschollen - so der letzte Satz. Zu DDR-Zeiten hatte Leo Prünzke eine sehr gut gehende Polsterei besessen. «Mit sich und der Welt zufrieden, ließ er die Republik, die ihn leben ließ, hochleben.» Doch nach der Wende 1989/90 geht es kontinuierlich bergab, nicht erwartet von Leo Prünzke, doch schlimme Tatsache.
Die Erzählung beginnt mit der Abnahme des Führerscheins von Leo Prünzke durch die Polizei und seiner Bitte an den nicht sonderlich beschäftigten Autor, in der Zeit seiner Abstinenz für ihn den alten Barkas zu fahren. Die Firma Prünzke besteht inzwischen nur noch aus ihm, dem Meister, dem Altgesellen Karl und Prünzkes Frau Elli. Die entscheidende Wende vollzieht sich mit dem Erscheinen des Anton Prott, Chef einer Polsterfirma in Geldern, nicht weit von der holländischen Grenze gelegen. Mit seinem Jaguar hält er auf dem Wege nach Berlin bei einer entfernten Verwandten, wo er Prünzke trifft.
Dann geht alles schnell und nach dem Motto: West hilft Ost. Wir erfahren durch den Ich-Erzähler von Leo Prünzkes hochfliegenden Hoffnungen und den «Hilfestellungen» des Anton Prott, der eine gemeinsame Firma Prünzke & Prott zu Stande bringt, mit großem öffentlichen Aufwand gefeiert. Das endet freilich mit dem schon zitierten Satz, dass Leo Prünz ke als verschollen gilt.
Viele Figuren tauchen auf, Umstände werden erzählt, zum Beispiel über die Stadt Geldern, das ordentliche, flache Land und die Ereignisse dort. Und über Prünzke wird erzählt, der von Prott einen Mercedes erhält und sich als gleichberechtigter Partner fühlt. Wir begegnen dem Sohn Prünzkes, der nach Kanada auswandern will, auch dem Sohn von Prott, Jonny, der den gemeinsamen Betrieb im Osten übernimmt, sehr locker ist und provokant und doch ein berechnender Geschäftsmann wird im Osten. Und die Frauen. Eleonore Prünzke, realistisch denkend, Martha Prott, die «Westfrau», scharf auf den Schriftsteller, trotz der Anwesenheit von Annabell, der Ehefrau. So manches andere erfährt man noch aus der Wirklichkeit unserer Tage.
Der Untergang der Firma ist unaufhaltsam. Prott, nun Besitzer von Prünzkes Grundstück, verpachtet es und verkauft es vorteilhaft an eine amerikanische Hotelkette. Heiter, spöttisch, elegant wird er zählt bis zum bitteren Ende. Ein Lehrstück im besten Sinne.
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