Freundlich feindlich

Uwe Kalbe wundert sich über nostalgische Amerikaverehrung

  • Lesedauer: 2 Min.

Es kostet die Bundesregierung Überwindung, der Düpierung durch Washington mit der gebotenen Souveränität gegenüberzutreten. Und Düpierung ist es, auf Spionage in Deutschland auch nach ihrer Entdeckung zu beharren. Souveränes Auftreten wäre angezeigt. Und sei es allein deshalb, um den Verdacht zu zerstreuen, es handele sich beim Verhältnis der Bundesregierung zu Washington um ein ähnlich devotes wie einst zwischen Ostberlin und Moskau. Dass die im Osten sozialisierte Bundeskanzlerin hier keinen Handlungsbedarf sieht, ist entweder ein lange verborgener Spätschaden oder Einsicht in Realitäten, wie sie auch damals galten und jetzt so gern Anlass für arrogante und hämische Geschichtsurteile sind.

Das mag weit hergeholt scheinen, aber immerhin hat die Neuordnung der Welt nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus erst jene Lage geschaffen, in der auch für die westliche Allianz Koordinaten sich verschoben und alte Verabredungen neu zu bewerten waren. Hierzu zählt auch der Nimbus von Freund und Feind; in die nach dem Zweiten Weltkrieg gesäte Amerikaverehrung mischen sich doch längst Hinweise auf Konkurrenz und Unverträglichkeiten. Allianzen formieren sich neu. Freundlich im Ton, feindlich in der Haltung - so stellt sich Washingtons Hinhaltepolitik beim Thema Geheimdienstabkommen dar. Doch Berlin ahnt ganz offenbar, einen politischen Konflikt nicht unbeschadet überstehen zu können. Und fügt sich. Wie einst Ostberlin.

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