Ärgerfaktor
Bauern, Händler, Meuchler: Alles klar, wir sind im Mittelalter. Finster soll es gewesen sein, sagt man. Doch diese Lektion wird im farbenfrohen Kartenspiel »Guildhall« nicht gelehrt. Dafür eine andere: Das Mittelalter war ziemlich gemein! Jeder Spieler führt ein Zunfthaus und will dort die Mitglieder von sechs Berufen versammeln. Doch die Konkurrenz wirbt gnadenlos ab, tauscht Personen aus oder wirft die Karten gar auf den Ablagestapel. Wie viel vom eigenen Bestand im nächsten Zug übrig bleibt, ist immer eine Überraschung.
Personenkarten desselben Berufes in allen fünf Farben zu sammeln, ist das Ziel. Solche Sets können weder gestohlen noch auseinander gerissen werden, und sie lassen sich gegen eine der Punktekarten eintauschen. Die gibt es in Werten von zwei bis neun, wobei die niedrigen zusätzlich perfide Aktionen erlauben.
Wer am Zug ist, spielt bis zu zwei Karten aus, nutzt ihre Fähigkeiten und verfrachtet die Personen anschließend ins Zunfthaus. Das Schema ist simpel - vielfältig aber sind die taktischen Möglichkeiten: Die Tänzerin sorgt für Kartennachschub, der Archivar holt Personen vom Ablagestapel zurück, die Weberin schmuggelt zusätzliche Leute in die Zunft.
Wie sich diese Eigenschaften gewinnbringend kombinieren lassen, erschließt sich erst nach mehreren Partien. Solange sich eine Runde noch ins Geschehen hineinfinden muss, kann das »Guildhall« länger als eine Stunde dauern und gemessen daran zu willkürlich wirken. Sobald es schneller geht, stimmt die Balance, und man erhält ein gut ausgedachtes, gradliniges Kartenspiel mit ausgeprägtem Ärgerfaktor. Nichts für Wehleidige.
»Guildhall« von Hope S. Hwang, Pegasus Spiele, für zwei bis vier Spieler ab 10 Jahre, ca. 15 Euro.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.