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Die Opposition
Heute: Markus Lanz, Showmaster der Großen Koalition
Große Aufregung gab es diese Woche um jene Online-Petition, in welcher das ZDF zum sofortigen Rauswurf des Moderatorendarstellers Markus Lanz aufgerufen wird, und auch Kritik: Man könne ja wegschalten, gerade beim ZDF gäbe es noch viel abscheulichere Formate, und überhaupt, so eine Petition habe doch eh keine Wirkung.
Unbenommen, dass eine Fernsehanstalt, die ihre Ansprüche im Gleichschritt mit den Privaten senkt und Beliebtheit in Millionen misst, sich gewiss nicht drum schert, ob ein paar tausend Internet-Irre etwas gegen ihre gusseiserne Programmplanung haben. Solche Kritik übersieht jedoch den konkreten Anlass: Lanz hatte versucht, Sahra Wagenknecht zu provozieren und lächerlich zu machen, eine Vertreterin jener Opposition also, die im Deutschland der Größten Anzunehmenden Koalition ihre Redezeit nach Minuten misst und sich von den Regierungsparteien untertänigst das Recht erbetteln muss, auch mal Untersuchungsausschüsse einzusetzen.
Und genau darum geht es: Markus Lanz ist der Showmaster dieser Großen Koalition, er ist die fleischgewordene Konsensdemokratie. Seine kumpelhafte, anbiedernde Art dupliziert exakt das stillschweigende Einverständnis, auf dem diese Regierung baut: Hey, wir wissen doch alle, wie es läuft, wir wollen doch alle das Gleiche, ein bisschen Geld verdienen, ironisch über den Weltläuften stehen und dabei gemeinsam Spaß haben - was soll das Genörgel? Um es mit Polt zu sagen: Wir brauchen keine Opposition, weil wir sind schon Demokraten. Allein schon in seinem Habitus signalisiert Lanz jenen Millionen westdeutschen CDU-Rentnern, die hier politisch und kulturell den Ton angeben, dass Deutschland letztlich immer noch so funktioniert, wie sie es aus dem Kalten Krieg gewöhnt sind: Es ist arisch, es ist hetero, es ist schwiegermutterkompatibel - und dabei unverbrüchlich antikommunistisch.
Lanzens Zwillingsbruder im Geiste ist dabei der ewig juxende und lanzhaft gutgelaunte biodeutsche Verwaltungsangestellte Norbert Lammert, der sich derzeit dafür einsetzt, die Zweitstimme abzuschaffen, die Legislaturperiode auf fünf Jahre zu verlängern und damit letztlich der Alleinherrschaft von CDU und SPD Verfassungsrang zu geben. Sein Vorschlag, der mit der monströs aufgeblähten Koalitionsmehrheit durchaus umgesetzt werden könnte, wird derzeit nicht ernstgenommen, dabei ist er durchaus empörend: Das letzte Mal, dass der zweite Mann im Staat ein solches Ermächtigungsgesetz vorschlug, war 1933. Eine Opposition, die das nicht zum Skandal erhebt, braucht allerdings tatsächlich niemand.
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