Beaujolais und Bomben

Roland Etzel zur neuen Freundschaftsachse Paris - Washington

  • Roland Etzel
  • Lesedauer: 2 Min.

Der König Europas schien Hof gehalten zu haben in Washington, könnte man meinen, so auserlesen waren die Artigkeiten im Weißen Haus gegenüber dem Präsidenten Frankreichs. Hollande gab dafür den Pofalla, als er ähnlich kenntnisfrei wie dieser die NSA-Ausspähaffäre gegenüber Frankreich kurzerhand für beendet erklärte. Ansonsten revanchierte er sich mit verzückten Komplimenten über Obamas wegweisende Afrika- und Nahostpolitik.

Kein Vergleich mehr mit der Stimmung nach dem Verdikt von US-Außenministerin Rice von 2003, als Bush jun. zum Irak-Krieg drängte, der Franzose Chirac ihm die kalte Schulter zeigte und die »Patrioten« in den USA vor Wut Beaujolais und Bordeaux dem Rinnstein überantworteten - getreu dem Slogan: »Deutschland ignorieren, Russland verzeihen, Frankreich bestrafen!«

Die heutigen Präsidenten mochten daran nicht erinnern. Hollande strahlte ob des von Obama für ihn ausgestellten Freibriefs in Mali und Zentralafrika und würde gern selbst mehr bomben gegen Iran und Syrien, um die Briten als engste USA-Verbündete zu beerben - wenn er denn könnte. Ob ihm seine Landeskinder das mit Liebe vergelten, ist sehr ungewiss. Angesichts der niedrigsten Zustimmung, die es je gab für einen französischen Präsidenten, gleicht Hollande derzeit, wenn überhaupt einem König, dann einem englischen aus dem 12. Jahrhundert - Johann ohne Land.

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