Der Maler mit der Schere
London feiert Matisse
Schere, Papier und Heftzwecken waren das Werkzeug, mit dem Henri Matisse (1869-1954) in seiner letzten Schaffensphase einzigartige Scherenschnitte schuf. In Sekundenschnelle fuhr er mit der Schneiderschere durch das eingefärbte Papier: Bienenschwärme, Schwalben, Blumen und anziehende Frauenkörper in leuchtenden Farben und tanzenden Formen traten hervor.
Mit der Ausstellung »Henri Matisse: The Cut-Outs« präsentiert die Galerie Tate Modern in London mit rund 130 Werken die bisher größte Schau der Papierschnitte, die Matisse in hohem Alter, in den letzten 17 Jahren seines Lebens schuf. »Malen mit der Schere« nannte er diese Art zu arbeiten.
Nach Einschätzung von Tate-Direkor Nicholas Serota, Kurator der Schau, ist Matisse unumstrittener Erfinder der Kunstform des Scherenschnitts auf hohem künstlerischen Niveau. »Er nutzte ihn, um die engen Grenzen der Malerei zu sprengen und neue Felder zu erschließen.«
Der Hauptgrund für die Zuwendung des Künstlers zum Scherenschnitt war allerdings seine durch Alter und Krankheit eingeschränkte Mobilität. Um so erstaunlicher ist es, dass die weitgehend selbst noch im Rollstuhl angefertigten Arbeiten nicht an Bewegung, Farbkraft, Humor und Lebensfreude verloren. »Matisse befreite sich von der Plage von Krankheit und hohem Alter und kreierte eine neue Kunstform«, schrieb der »Guardian« zu den Werken. Die Zeitung pries die Ausstellung als »umwerfend, fröhlich und faszinierend«.
Die chronologisch angeordnete Ausstellung zeigt die Entwicklung des Scherenschnitts von Experimentiermaterial über das Künstleralbum »Jazz« bis hin zu den großformatigen Werken, die Matisse noch in seinen letzten Lebensjahren schuf. Die Schau läuft bis zum 7. September in London und wird ab Oktober dieses Jahres im MoMA gezeigt. dpa/nd
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