Raue See für die Fischer im Nordosten

Landesverband beging in Schwerin 20. Geburtstag

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Schwerin. Geringe Heringsfangquoten, ein magerer Dorsch und hohe Kosten für die vom Handel geforderte Zertifizierung trüben die Bilanz des Landesfischereiverbandes, der am Wochenende in Schwerin sein 20-jähriges Bestehen feierte. »Es wird für Fischer nicht leichter, von ihrer Arbeit auch leben zu können«, sagte Verbandschef Norbert Kahlfuss bei der Jubiläumsveranstaltung im Schloss. So habe sich seit Verbandsgründung die Zahl der Kutter- und Küstenfischer im Land von 1400 auf knapp 300 Betriebe im Haupterwerb verringert.

Dem Dachverband für Fischerei gehören im Nordosten nach eigenen Angaben zudem vier Betriebe der großen Hochseefischerei, etwa 50 Binnenfischer und 43 000 Angler an. Ende April hatten die Küstenfischer im Land die Heringsfangsaison mit durchwachsenem Ergebnis beendet. Die Qualität der Fische sei sehr gut, der Erlös aber wegen der verringerten Fangquote und der niedrigen Abnahmepreise durch den Handel eher mäßig gewesen, hieß es. Als Grund für den Preisrückgang gelten Absatzschwierigkeiten aufgrund des fehlenden MSC-Zertifikats für nachhaltige Fischerei.

Damit der Ostseehering mit dem Ökosiegel künftig in deutsche Supermarktregale gelangen kann, müssen sich aber auch die Fischer zertifizieren lassen. »Eine solche Zertifizierung ist sehr teuer. Da muss man genau abwägen«, sagte Kahlfuss. Hoffnung setzte er auf eine Gesprächsrunde am Montag im Schweriner Agrarministerium. Dabei solle erörtert werden, ob es auch ein Gruppenzertifikat für alle Fischer im Land geben könne.

Mit Sorge blickt Kahlfuss auch auf den Dorsch, zweitwichtigster Fisch für die Fischer im Nordosten. »Der Dorsch ist da. Und auch seine Nahrung, die Sprotte, gibt es in ausreichender Menge. Doch scheinen sie sich immer in unterschiedlichen Gebieten aufzuhalten. Auch die Wissenschaftler rätseln, warum das so ist«, so der Verbandschef. In der Folge sei der Dorsch sehr mager und schwer absetzbar.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) würdigte die Leistung des Fischereiverbandes, der die Fischer häufig durch die »sprichwörtlich raue See« habe lotsen müssen. »Der Strukturwandel in der Branche ist offensichtlich. Die Zahl der Fischereien hat abgenommen, da das Ziel verfolgt wurde, den Fischereiaufwand der Fischereifahrzeuge mit den Fangquoten der EU in Einklang zu bringen. Das hat viel Kraft gekostet.« dpa/nd

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