Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden
Konferenz debattiert das Militärische im Alltag
Große Kriege zwischen den Industrienationen könnten »nur noch um den Preis des Selbstmords« geführt werden: wegen der wissenschaftlichen Fortschritte der Waffentechnik und ihres enormen Vernichtungsvermögens. Diese Voraussage traf der polnische Eisenbahnindustrielle Ivan Bloch bereits 1899 in seinem Werk »Der zukünftige Krieg«. 15 Jahre später, vor einhundert Jahren, begann der Erste Weltkrieg.
Die Tagung des »Netzwerks 1914« in Zusammenarbeit mit den Studierendenausschüssen der Technischen und Freien Universität Berlin sowie der Uni Potsdam zum Thema »Wissenschaft zwischen Krieg und Frieden« am vergangenen Wochenende zeigte, wie sich große Teile der Wissenschaft auch heute vor den Karren der Militärs spannen lassen. Prof. Dr. Jürgen Scheffran, Geograf an der Universität Hamburg, erläuterte, wie auch nach dem Zweiten Weltkrieg, der mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki endete, das nukleare Wettrüsten im Kalten Krieg die Menschheit mehrmals an den Rand der Vernichtung brachte.
Und auch nach dem Ende des Kalten Krieges werde unvermindert an der Aufrechterhaltung und Modernisierung von Waffensystem gearbeitet, so Scheffran. »Wissenschaftler erdenken neue waffentechnische Möglichkeiten und suchen dann politische Zwecke zu ihrer Rechtfertigung. Die Mittel des Krieges verselbstständigen sich, sie brauchen den Feind, ob er nun real existiert oder nur in der Fantasie.« Dabei sei das Schlachtfeld längst räumlich entgrenzt. Vom Weltraum bis auf die Nanoebene im menschlichen Körper: Der Krieg der Zukunft werde, so Scheffran, auch in unserer Arbeits- und Privatsphäre ausgefochten, wie der NSA-Skandal zeige.
Am Beispiel der Bundeswehr zeigte Lena Sachs vom Bündnis »Schulfrei für die Bundeswehr«, wie das Militärische mittlerweile fast selbstverständlich Einzug in den Alltag hält: Neben Kampagnen, mit denen bereits Kinder ab 14 Jahren offensiv angesprochen würden, sei die deutsche Armee zunehmend durch Jugendoffiziere in die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften einbezogen.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.