Gabriel: SPD verzichtet auf Kommissarsposten

Sozialdemokraten stellen aber Bedingung im europäischen Postenpoker: Schulz soll wieder zum EU-Parlamentspräsidenten gewählt werden

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Die SPD erhebt keinen Anspruch mehr auf einen EU-Kommissarsposten in Brüssel, stellt aber Bedingungen. Parteichef Sigmar Gabriel sagte am Freitag zu »Spiegel Online«: »Die SPD wird einen Kommissar der Union akzeptieren - sofern Martin Schulz zum Präsidenten des Europaparlaments gewählt wird.« Zuvor hatte die Union ausgeschlossen, dass Schulz Vizepräsident der EU-Kommission werden kann. Schulz, der Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten bei der Europawahl im Mai, hatte noch am Mittwoch Anspruch auf eine herausgehobene Rolle in der künftigen EU-Kommission erhoben. Der Sozialdemokrat ist bislang schon EU-Parlamentspräsident. Die SPD lenkte nun wohl aus Sorge ein, dass Schulz beim Postenstreit am Ende womöglich leer ausgegangen wäre. Damit dürften die Chancen von Günther Oettinger (CDU) steigen, Kommissar in Brüssel zu bleiben.

»Wir brauchen angesichts der Herausforderungen in Europa eine starke Achse Juncker/Schulz«, sagte nun SPD-Chef Gabriel. Die europäischen Sozialdemokraten mit Schulz waren bei der Europawahl der von Jean-Claude Juncker angeführten Europäischen Volkspartei (EVP) unterlegen, weshalb Juncker das Amt des Kommissionspräsidenten für sich beansprucht. »Die Wahl Junckers zum Kommissionspräsidenten und die Wahl von Schulz sollten verknüpft werden«, so Gabriel. Der SPD-Chef forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, nun die konservative Parteienfamilie zu überzeugen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wurde Merkel bereits vorab von dem Vorschlag in Kenntnis gesetzt.

Regierungssprecher Steffen Seibert bestätigte am Freitag in Berlin Gespräche zwischen den Parteichefs der Koalitionsfraktionen. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte zuvor gesagt, dass die Sozialdemokraten nicht länger auf einem Kommissarsposten für ihren Spitzenkandidaten Martin Schulz bestehen, sofern dieser erneut zum Präsidenten des EU-Parlaments gewählt wird. Die Äußerung Gabriels »gibt den Stand der Gespräche in der Bundesregierung wieder«, sagte dazu Seibert. Allerdings müsse nun abgewartet werden, »wie sich im Europäischen Parlament die Wahl zum Parlamentspräsidenten gestaltet«. Agenturen/nd

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.