71 Prozent gegen deutsche Auslandseinsätze
Erneut zeigt eine Umfrage, dass eine klare Mehrheit der Bundesbürger Militäreinsätze mit deutscher Beteiligung in anderen Ländern ablehnt
Berlin. Erneut hat eine Umfrage gezeigt, dass eine klare Mehrheit der Bundesbürger Militäreinsätze mit deutscher Beteiligung in anderen Ländern ablehnt. 71 Prozent erklärten in einer Umfrage für den »stern-RTL-Wahltrend«, sie seien auch dann gegen Bundeswehreinsätze im Ausland, wenn sich Konflikte nicht durch Diplomatie oder Sanktionen beilegen lassen. Vor allem Frauen (80 Prozent) und die über 60-Jährigen (81 Prozent) sprachen sich gegen militärische Einsätze mit deutscher Beteiligung aus. Nur 24 Prozent befürworten diese - darunter 35 Prozent der männlichen Befragten.
Bereits in der vor wenigen Tagen hatte eine andere Umfrage ein ähnliches Ergebnis ergeben. In einer Befragung des Instituts Emnid für das Magazin »Focus« lehnten knapp zwei Drittel der Bundesbürger ein stärkeres »Auslandsengagement« der Bundeswehr ab. Auf die Frage »Soll sich die Bundeswehr bei Konflikten im Ausland stärker engagieren?« antworteten vor allem Anhänger der Linkspartei ablehnend - 77 Prozent von ihnen waren dagegen. Unter den Wählern und Sympathisanten der SPD sprachen sich 61 Prozent gegen mehr Bundeswehreinsätze im Ausland aus. Unter den Anhängern von Union, der FDP und der Grünen waren die Zahlen der Befürworter und der Gegner von mehr Militäreinsätzen im Ausland etwa gleich.
Zuvor hatte Bundespräsident Joachim Gauck erneut auf eine aktivere militärische Rolle Deutschlands in der Welt gedrängt. Während einer Norwegen-Reise sagte er, er habe Verständnis für die früher begründete »Zurückhaltung der Deutschen, international sich entsprechend der Größe oder der wirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands einzulassen«. Heute sei das Land eine solide und verlässliche Demokratie und ein Rechtsstaat. Deutschland stehe »an der Seite der Unterdrückten. Es kämpft für Menschenrechte. Und in diesem Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen ist es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen.«
In der Forsa-Umfrage erklärten nun 56 Prozent, dass man sich besser zurückhalten solle, darunter 63 Prozent der befragten Frauen. Lediglich 40 Prozent der Deutschen stimmen Gauck zu - hier dominieren die Männer mit 50 Prozent und mit jeweils 48 Prozent die 14- bis 29-Jährigen und die Anhänger der SPD. Gegen ein stärkeres außenpolitisches Engagement Deutschlands ist allerdings ebenfalls eine Mehrheit der Bundesbürger. Forsa und Emnid hatten jeweils 1000 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger befragt. Die statistische Fehlertoleranz wurde mit plus/minus drei Prozent angegeben. nd/mit Agenturen
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