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Selfie-Manie

Tom Mustroph über unschöne Bilder bei der Tour de France

  • Lesedauer: 2 Min.

Begeisterung kann auch lästig sein. Während die Offiziellen der Tour de France über den Zuschauerzuspruch in England noch voll des Lobes sind - Fünffachsieger Bernard Hinault ließ sich gar zu der Äußerung hinreißen: »In 40 Jahren Radsport habe ich noch niemals so viele Zuschauer gesehen« - gehen bei den Radprofis mittlerweile die Warnlichter an. Vor allem, wenn sie Menschen mit Tablet-Computern am Straßenrand wahrnehmen.

»Sie gucken stur auf den Bildschirm und sehen, wie wir näher kommen. Und dann sind sie völlig überrascht, wenn wir ihnen in der Realität noch viel größer erscheinen als auf dem Monitor«, beschwerte sich der Brite Geraint Thomas. Mehrfach hatte das Peloton in den ersten Tagen der Tour deshalb die Fahrt verlangsamen müssen. Immer wieder hatten Alberto Contador, Vincenzo Nibali & Co. unaufmerksame Zuschauer beiseite schieben müssen.

Marcel Kittel erschrak gar vor einem Rollstuhlfahrer, der von seinen vor dem Peloton zurückweichenden Begleitern mitten auf der Straße stehengelassen wurde und von den Profis wie eine Verkehrsinsel umfahren werden musste. »Es gibt nicht viele Rennen in England. Die Leute wissen daher nicht, wie schnell wir unterwegs sind und wie viel Platz wir auf der Straße brauchen«, meinte Thomas.

Vor allem regte sich der Profi vom einheimischen Sky-Team aber über die Selfie-Manie seiner Landsleute auf: »Die stehen für ein Selbstporträt mitten auf der Straße mit dem Rücken zum Feld, wenn 200 Fahrer auf sie zurasen. Und dann kommen sie natürlich nicht schnell genug weg. Das geht gar nicht!« Thomas empfahl ihnen, sich für Selfie-Fotos doch lieber auf Mauern und Hügeln am Rand zu stellen.

Einer der wenigen, der bisher nicht ins Gefährdungshorn stieß, war Thomas Mannschaftskapitän Chris Froome. Der in Kenia geborene Brite will die kleinste Missstimmung vermeiden, um endlich auch in Sachen Popularität zum von ihm entthronten Bradley Wiggins aufzuschließen.

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