Ein bisschen wie Rache und Marketing
Ein Ex-Mitglied und Noch-Abgeordneter hält die sächsische Linke für einen zerstrittenen Haufen Gescheiterter. Was treibt ihn?
Ist die Linkspartei in Sachsen so »vollkommen zerstritten«, dass sie gar nicht in der Lage wäre, »die Regierung zu übernehmen«? Solche Fragen hören Politiker im Wahlkampf natürlich gern. Die »Zeit« hat sogar eine Antwort parat – gegeben vom Landtagsabgeordneten Gerhard Besier, der bis vor kurzem noch Mitglied der Linkspartei war und immer noch der Landtagsfraktion angehört. Man kann es kurz machen: Es klingt ein bisschen nach Rache und nach Marketing.
Besier, der als Historiker einen gewissen Ruf hat und dessen Eintritt in die Linke 2009 als Überraschung galt (auch, weil Besier einst Helmut Kohl beraten hat), ist im April 2014 nicht erneut als Kandidat zur Landtagswahl aufgestellt worden. Am Montag, dem Tag nach der Abstimmung in Sachsen, will er außerdem ein Buch über seine Zeit in der Linkspartei präsentieren. Der »Zeit« sagte er nun, er sehe in deren Reihen »kaum jemanden, der ansatzweise ministrabel wäre«. Es handele sich um eine »vollkommen zerstrittene Partei«, in der jeder jeden belauere. Apropos zerstritten: Besier beschreibt seine ehemaligen Parteifreunde als Gescheiterte, die sich schon deshalb an der Politik festklammern würden, weil dies »die Alternative zu Hartz IV« ist.
Und so geht das offenbar weiter, jedenfalls hat die Wochenzeitung vorab nichts Freundlicheres aus dem Munde des wissenschafts- und hochschulpolitischen Sprechers der Linksfraktion zu melden. Besiers mögliche Motive sind natürlich kein guter Gegenbeweis dafür, dass es Konflikte geben könnte. So etwas gehört ja offenbar zur Parteikultur, man kennt das auch von anderen Organisationen. Die Regierungsübernahme dürfte in Sachsen aus Sicht der Linken übrigens an ganz banaleren Dingen scheitern: an den fehlenden Mehrheiten. tos
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