Angeklagter gibt vor Gericht Angriff auf Somalier zu

Merseburger Gericht verhandelt rassistischen Angriff

  • Lesedauer: 2 Min.
Zwei Brüder sind angeklagt, einen Somalier in Merseburg zusammengeschlagen und übel beschimpft zu haben. Ja, er habe ihn getreten, sagt der eine. Er sei überhaupt nicht dabei gewesen, der andere.

Merseburg. Vor dem Amtsgericht Merseburg hat einer von zwei Angeklagten einen Angriff auf einen Somalier zugegeben, der zweite seine Beteiligung bestritten. Ja, er habe das 23 Jahre alte Opfer vor die Brust getreten, sodass es umfiel, sagte der 19-Jährige zum Prozessauftakt am Montag. Ja, er sei derjenige gewesen, der als erster handgreiflich wurde. In irgendeiner Form beleidigt habe er den Mann bei dem Vorfall am 20. Februar am Merseburger Bahnhof jedoch nicht. Er habe gar nichts zu dem Afrikaner gesagt, betonte der 19-Jährige.

Der Mann mit rotblondem Haar saß zusammen mit seinem 24 Jahre alten Bruder wegen schwerer Körperverletzung und Beleidigung auf der Anklagebank. Beide wurden in Handschellen vorgeführt. Der ältere Bruder sagte aus, er sei überhaupt nicht am Ort gewesen, sondern bei seiner Freundin. Auch der Jüngere sprach von einem Bekannten, mit dem er am fraglichen Tag an der Bahnhofsunterführung unterwegs war.

Die Angeklagten sollen den Somalier beschimpft, geschlagen und getreten haben, heißt es in der Anklageschrift. Dabei hätten sie fremdenfeindliche Schimpfworte sowie »Raus aus Deutschland« gerufen. Erst als Zeugen eingriffen, hörten die Angreifer demnach auf. Der Afrikaner habe schwere Prellungen am ganzen Körper erlitten.

Er und sein Bekannter hätten in die Richtung des 23-Jährigen gezischt, gestand der 19-jährige Angeklagte. »Das war so ein Scheuchgeräusch.« Daraufhin sei der 23-Jährige auf die beiden zugelaufen. »Ich habe mich bedroht gefühlt, wegen der Gestik und Mimik«, gab er als Motiv für den Tritt an. »Wegrennen wollte ich nicht.« Angegriffen habe der 19-Jährige den Somalier aber allein.

Der Geschädigte saß selbst als Nebenkläger im Saal, ein Dolmetscher übersetzte für ihn. Der 23-Jährige sei bis heute in medizinischer Behandlung, sagte seine Anwältin am Rande des Prozesses. Er leide an den psychischen Folgen der Attacke. Der junge Mann soll im Laufe des Prozesses selbst als Zeuge aussagen. Er wird seit Monaten von der Opferberatung Süd beraten und betreut. Diese geht von einem rassistischen Überfall aus.

»In Merseburg gibt es in diesem Jahr auffällig viele rassistische Vorfälle«, sagte Denise Kürschner von der Opferberatung. »Allein in diesem Jahr haben wir bisher zehn gezählt.« Auch die Polizei ging nach der Tat von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. dpa/nd

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