Anschlag auf Asylbewerberheim bei Rostock
Zwei Brandsätze auf Unterkunft in Groß Lüsewitz / Polizei ermittelt und geht von politischem Hintergrund aus / Linkenpolitiker Ritter fordert schnelle Aufklärung
Berlin. Auf ein Asylbewerberheim in der Nähe von Rostock haben Unbekannte zwei Brandsätze geworfen. Nach Angaben der Polizei schleuderten die Täter in der Nacht zu Sonntag zwei mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllte Bierflaschen gegen die Hauswand der Unterkunft in Groß Lüsewitz. Das Gebäude geriet nicht in Brand. Menschen seien »zu keinem Zeitpunkt« in Gefahr gewesen, teilte die Polizei mit. In dem Heim seien derzeit acht Familien verschiedener Nationalitäten untergebracht. »Wir gehen von einem politischen Hintergrund aus«, sagte ein Polizeisprecher. Die Unterkunft werde vorerst rund um die Uhr durch Beamte geschützt. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen versuchter schwerer Brandstiftung.
Der innenpolitische Sprecher der Linken im Landtag, Peter Ritter, forderte eine schnellstmögliche Aufklärung des Angriffs. Alle Demokraten müssten dafür Sorge tragen, dass Ausländerfeindlichkeit und Rassismus in der Gesellschaft geächtet werden, erklärte er am Sonntag. »Ein NPD-Verbot ist richtig, reicht aber allein nicht aus.«
Bereits in der Vergangenheit war es in Mecklenburg-Vorpommern wiederholt zu Attacken gegen Ausländerunterkünfte gekommen. Vor einem Jahr warfen Angreifer zweimal innerhalb weniger Tage die Haustür eines Heimes in Eggesin (Kreis Vorpommern-Greifswald) ein. Ebenfalls im Herbst 2013 waren in Güstrow (Landkreis Rostock) zwei brennende Feuerwerkskörper durch ein Fenster in den Keller einer Asylbewerberunterkunft geschleudert worden. In beiden Fällen gab es keine Verletzten. Und in beiden Fällen hatte die rechtsradikale NPD zuvor zu Protesten gegen die Unterbringung von Ausländern aufgerufen.
Innenminister Lorenz Caffier (CDU) verurteilte den jüngsten Angriff. Die Attacke bestärke ihn, »auch weiterhin konsequent gegen die geistigen Brandstifter dieser wiederholten gefährlichen rechtsextremistischen Provokation vorzugehen«, teilte er mit. Er halte ein baldiges Verbot der NPD für absolut erforderlich. Vor Ort sollten Probleme offen und ehrlich benannt werden, Menschen sollten sich mutig einmischen und Solidarität mit den Opfern rechtsradikaler Gewalt zeigen. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.