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Silvia Ottow über die zunehmende Wirkungslosigkeit wichtiger Arzneien
Rechtzeitig zum Beginn der Erkältungszeit hat die Deutsche Angestellten Krankenkasse die Praxis der Antibiotikaverschreibungen untersucht und zum Anlass genommen, sowohl Ärzte als auch Patienten auf den richtigen Umgang damit aufmerksam zu machen. Wer allerdings einen schweren Infekt erleidet, wird sich vermutlich kaum darum scheren, dass er die Vermehrung resistenter Bakterienstämme befördern könnte, wenn er Antibiotika einwirft, wo es einen Virus zu bekämpfen gilt. Wer krank ist, will schnell gesund werden und Antibiotika haben nun einmal den Ruf, allen Keimen den Garaus zu machen. Will ein Arzt sie womöglich nicht verschreiben, geht man zum nächsten. Allerdings besteht zwischen dem eigenen Antibiotika-Konsum und den zunehmenden Erregerresistenzen und Todesfällen in Krankenhäusern eine gewisse Kausalität. Das schiebt nicht nur der Patient gern weit weg, sondern auch so mancher Arzt.
Doch es wäre ebenso recht wie billig, den Schwarzen Peter für diesen schlimmen Zustand gewissermaßen den unteren Instanzen unterzujubeln. In vielen Ländern Europas sind Antibiotika frei verkäuflich und in einigen sind die hygienischen Zustände in Kliniken so schlecht, dass dies vermutlich die Ausbreitung der Resistenzen noch mehr befördert als die Verschreibungsfreude der Ärzte.
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